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Behördenverlagerung:Eine Verschlimmbesserung für etwa 50 Millionen Euro

Klassiker im Staatsarchiv: In Rollregalen werden die Archivalien verwahrt.

(Foto: Doris Wörner/Staatliche Archive Bayerns)

Kitzingen bekommt ein Staatsarchiv zugeschanzt, das bislang in Würzburg war. Nun fragt sich, was die Kitzinger damit anfangen sollen? In Würzburg wird es jedenfalls fehlen.

Kolumne von Olaf Przybilla

Man vergisst es schon mal, aber Markus Söder brillierte nicht immer schon in der Rolle als demütiger Landesvater. Es gab auch Zeiten, da ging es ihm vor allem darum, Mehrheiten für den Weg ins Spitzenamt zu organisieren: Wo könnte der örtliche Landtagsabgeordnete noch schwanken zwischen mir und diesem anderen, diesem - wie hieß er noch gleich? Ah, genau: Seehofer.

Heimatstrategie hieß das Projekt offiziell und im Grunde war gegen das Verfahren - jede Region muss mit Wohltaten zwangsbeglückt werden - gar nichts einzuwenden. Behördenverlagerungen sind kein grundsätzlicher Unsinn, ein Landesamt kann sich auch von Hof aus um die Umwelt kümmern; und auch in Fürth lassen sich Daten erfassen. Das muss man nicht alles von München aus machen.

Für die Stadt Kitzingen aber hat sich Söder eine besondere Verlagerung einfallen lassen. Ein ehemaliger Bundesverkehrsminister hat mal die Formulierung vom so ziemlich dümmsten Bauwerk seit dem Turmbau zu Babel geprägt, so hoch wird man im vorliegenden Fall nicht greifen müssen. Die Verlagerung des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen aber geht doch stramm in diese Richtung.

Es ist so: Weil das auf der Würzburger Festung geplante Museum für Franken Platz braucht, muss das Staatsarchiv weichen. So weit, so gut. Wie man aber auf die Idee kommt, eine solche Institution in die frühere US-Army-Stadt Kitzingen zu verlegen, wird wohl für immer ein Geheimnis Söderscher Beglückungspolitik bleiben. Kitzingen bekommt dadurch etwa 17 Beschäftigte mehr, die wohl künftig nach Kitzingen gondeln jeden Tag. Dafür bekommt diese Stadt ein Archiv, ohne das der durchschnittliche Kitzinger sein Leben bislang ganz gut im Griff hatte.

Die Universitätsstadt Würzburg mit ihrem urbanen Netzwerk kurzer Wege zwischen Bibliotheken, Forschungseinrichtungen, Archiven aber wird diese Institution vermissen. Und so eine Verschlimmbesserung ist dem Forschungsland Bayern, neuen Schätzungen zufolge, schlanke 50 Millionen Euro Steuergeld wert.

Der Boden für einen Archivneubau wäre in Würzburg teurer als in Kitzingen? Richtig! Nur: Mit dem Argument könnte man auch eine Unibibliothek in die Rhön verlegen. Aber wer weiß? Womöglich ja bei der nächsten Verlagerungsrunde.

© SZ vom 25.02.2019/vewo/infu

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