Würzburg Kinderporno-Fund: Logopäde soll Buben missbraucht haben

  • Der am Donnerstag festgenommene Mann aus Würzburg sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen gegen sich schweigt er.
  • Die Staatsanwaltschaft hat Hinweise darauf, dass der 37-Jährige Kinderpornos selbst hergestellt und im Darknet verbreitet hat.
  • Der Verdächtige war als Therapeut in einer Praxis tätig, aber auch als Übungsleiter in einem Sportverein und Berater einer Kindertagesstätte.
Von Olaf Przybilla

Nach der Festnahme eines Logopäden aus Würzburg wurde vom Amtsgericht Bamberg Haftbefehl gegen den 37-Jährigen erlassen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sich des schweren sexuellen Missbrauchs in einer Vielzahl von Fällen sowie der Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften schuldig gemacht hat. Das Material soll er im Darknet verbreitet haben. Der Verdächtige hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Am Mittwoch hatten die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg sowie Spezialkräfte der Polizei und Beamte des Bundeskriminalamtes insgesamt zehn Objekte durchsucht. Oberstaatsanwalt Christian Schorr spricht von einer "sehr großen Puzzlearbeit", vor die die Ermittler nun gestellt seien. So war der Verdächtige als Therapeut in einer Praxis tätig, auch als Übungsleiter in einem Sportverein und Berater einer Kindertagesstätte.

Die Kriminalpolizei plane deshalb, mit einer großen Anzahl an Ermittlern den Fall aufzuklären. Sie hat dazu die Soko "01-2019" eingerichtet. Viele Eltern mit Kindern in den in Frage kommenden Einrichtungen äußerten nun berechtigte Sorgen, ob auch ihr Kind betroffen sein könnte. Diese wolle man möglichst schnell informieren, auch wenn dies sehr schwierig werden dürfte. Weil Bilder und Videos - eine dreistellige Anzahl - womöglich aus einem Zeitraum von mehreren Jahren stammen, kommen dabei auch Orte außerhalb Würzburgs in Frage.

Zusammen mit seinem Partner kümmerte sich der 37-Jährige auch privat um zwei Kinder. Aus Ermittlerkreisen heißt es, nach jetzigen Erkenntnissen seien diese vermutlich nicht unter den Betroffenen. Der Partner des Verdächtigen war zunächst ebenfalls festgenommen worden. Er wurde aber auf freien Fuß gesetzt. Er wolle von den Aktivitäten auf dem gemeinsamen Internetanschluss nichts gewusst haben.

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