Energiekrise:Wohnungsunternehmen fordern Gaspreisdeckel

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Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW) schlägt Alarm. Die explodierenden Energiepreise werden sich bald viele Menschen nicht mehr leisten können, warnte VdW-Direktor Hans Maier am Donnerstag in München. Deutschland brauche deshalb unverzüglich einen Gaspreisdeckel, um Zehntausende Mieterinnen und Mieter sowie zahlreiche sozial orientierte Wohnungsunternehmen vor dem Ruin zu retten. Ein solcher sei für die Wohnungswirtschaft die einzige wirksame Lösung, da Preissteigerungen so erst gar nicht bei den Menschen ankämen.

"Die Warmmiete für unsere Mieter wird bereits aufgrund der jetzigen Energiepreise um durchschnittlich über 25 Prozent ansteigen müssen. Aber das ist erst der Anfang", sagte Maier. Allein zwischen Januar und Juli 2022 hätten die deutschen Haushalte im Schnitt 850 Euro mehr für Energie ausgeben müssen als im gesamten Jahr 2021. Dabei habe die nächste Heizperiode noch nicht begonnen. Werde kein Gaspreisdeckel eingeführt, müssten die Haushalte 2022 im Schnitt zwischen 1360 Euro im günstigsten Fall und bis zu 3800 Euro in der Spitze mehr für Energie ausgeben als noch 2021.

"Besonders betroffen sind die Mieterinnen und Mieter bei den sozial orientierten Wohnungsunternehmen, den Wohnungsgenossenschaften, kommunalen und kirchlichen Wohnungsunternehmen", erklärte der Verbandsdirektor. Für diese Unternehmen bedeuteten Zahlungsausfälle auch eine Gefahr für die eigene Liquidität. "Der neueste Spitzenwert bei einem Verbandsmitglied liegt bei fast 47 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet in der Praxis, die Vorauszahlung für die Wohnung, die bisher monatlich 50 Euro beträgt, muss dann auf 750 Euro angehoben werden. Das können sich die Mieter der sozial orientierte Wohnungsunternehmen nicht leisten", sagte Maier.

Der VdW-Chef verwies darauf, dass viele andere europäische Länder bereits einen Gaspreisdeckel einführt hätten. Dieser müsse in einer Höhe eingezogen werden, dass er Anreize für einen sparsamen Umgang mit Energie biete, aber soziale Verwerfungen verhindere und mittelbar auch den Strompreis senke. "Bisher wurde das Problem nicht an der Wurzel angegangen", kritisiert Maier.

Im VdW Bayern sind nach eigenen Angaben 493 sozial orientierte bayerische Wohnungsunternehmen zusammengeschlossen - darunter 355 Wohnungsgenossenschaften und 104 kommunale Wohnungsunternehmen, auch kirchliche sind dabei. Die Mitgliedsunternehmen verwalten rund 540 000 Wohnungen, in denen ein Fünftel aller bayerischen Mieter wohnen.

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