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Wildtiere:Bergsteiger machen Foto von Allgäuer Wolf

Von Christian Sebald

Es muss eine traumhafte Nacht in den Oberallgäuer Bergen nahe Blaichach gewesen sein. Zumindest legen das die Fotos nahe, die eine Bergsteigerin unter dem Pseudonym Bergblümchen auf einem Schweizer Bergsteigerportal von dem Sonnenuntergang und dem Biwak mit ihrem Freund am Siplinger Kopf veröffentlicht hat. Der Schreck kam Mittwochfrüh beim Abstieg. "Fast schon im Tal sah uns dann so ein graues, hundeartiges Tier an", schreibt die Frau auf dem Portal. "Erst als ich vor Schreck ein Schrei ließ und mein Freund den Foto herausholte, trabte es davon. War das ein Wolf?" Das Tier, dessen Weg die Wanderer gekreuzt haben, war tatsächlich ein Wolf. Die Spezialisten des Landesamts für Umwelt haben das Bild, das Bergblümchen von der Begegnung ins Internet gestellt hat, analysiert und bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelte.

Womöglich war es sogar der Wolf, der seit Ende Juli die Alpbauern und Lokalpolitiker im Oberallgäu in große Unruhe versetzt. Dazu wollten sich die Spezialisten freilich nicht äußern. Denn das könnte man nur mittels eines Gentests feststellen und der ist ja anhand eines Fotos nicht möglich. Derweil erhärtet sich der Verdacht, dass die drei Schafe, die am Montag tot auf einer Weide nahe Immenstadt entdeckt worden sind, Opfer des Allgäuer Wolfs geworden sind. Zwar stehen die Ergebnisse eines Gentests an den Kadavern noch aus. Aber die Bissspuren an ihnen "weisen klar auf einen Caniden hin", sagt ein LfU-Sprecher, "also auf einen großen Hund oder eben einen Wolf." In der gleichen Region hatte der Wolf, der übrigens aus Ostdeutschland in die Allgäuer Berge zugewandert ist, bereits Ende Juli, Anfang August drei Kälber gerissen. Lokalpolitiker und Alpbauern verstärken nun den Druck auf die Staatsregierung, das Raubtier abschießen zu lassen. "Das Allgäu ist kein Lebensraum für den Wolf", heißt es in einem Brandbrief des Oberallgäuer Landrats Anton Klotz (CSU) an Umweltminister Marcel Huber (CSU). Die Staatsregierung müsse die Möglichkeit schaffen, Wölfe, die sich Schafe und Kälber von den Weiden holen, abschießen zu lassen. Die Entscheidung über die Abschüsse sollten die Landratsämter treffen, fordert Klotz. Auch der Chef des Bauernverbands in Schwaben, Alfred Enderle, verlangt den Abschuss des Allgäuer Wolfs.

© SZ vom 31.08.2018

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