bedeckt München 24°

Weltbild Verlag:Ein Verhandlungsgespräch vor Weihnachten platzte

Seitdem die Geschäftsführer trotz anderslautender Versprechungen eine zusätzliche Entlassungsrunde angekündigt hatten, ist das Tischtuch zwischen Betriebsrat und Management zerschnitten. Vor Weihnachten sollte nochmals verhandelt werden. Das Gespräch platzte. Bis heute gab es kein Treffen mehr. Betriebsrat Timm Boßmann attackiert das Management frontal: "Die Situation ist extrem unbefriedigend, die Strategie des Herrn Droege irritiert." Auch Boßmann befürchtet, Weltbild solle "totgeschrumpft" werden.

Tatsächlich erscheint der Weltbild-Katalog seit der Übernahme seltener und in geringerer Auflage. "Das ist verheerend", sagt ein Mitarbeiter. "Früher schnellte bei Erscheinen des Katalogs unser Umsatz immer hoch, danach schlief er langsam ein." Wenn der Katalog nun nur noch alle acht statt vier Wochen erscheine, werde auch der Verkauf entsprechend einbrechen. Ein Management-Fehler? Oder Kalkül? Im November warf Geschäftsführer Gerd Robertz überraschend das Handtuch. Er war im von Droege installierten und kontrollierten Manager-Trio der einzige, der sich im Buchhandel auskannte.

Manager Hoffmann sieht Potenzial für einen Neustart

Zuvor hatte es im Oktober eine Zäsur in der Geschäftspolitik gegeben: Nach dem ersten Umsatzrückgang nahm Droege kein Geld in die Hand, um dagegenzusteuern, sondern kappte sofort zahlreiche Kosten: Dem Hausmeister-Service wurde gekündigt, und ein bereits gedrehter und gebuchter TV-Werbe-Clip storniert. Letzteres stößt bei der Belegschaft auf scharfe Kritik. Es wird als Indiz gewertet, dass Droege rückläufige Umsätze als Rechtfertigung für Entlassungen anstrebt.

Nun ist das erste Jahr nach der Insolvenz vorüber, das Management nennt aber keine Umsatz-Zahlen. Man äußert sich nur zum Weihnachtsgeschäft. "Wir haben unsere Erwartungen erreicht", sagt Geschäftsführer Robert Hofmann. In den Filialen sei das Geschäft "zunächst schleppend" angelaufen, "aber ein starker Endspurt hat vieles wettgemacht". Es gibt sogar positive Nachrichten: Das E-Lesegerät Tolino verkauft sich besser denn je. "Tolino ist es im dritten Quartal 2014 gelungen, Amazon beim eBook-Verkauf zu überholen", verkündet Manager Sikko Böhm.

Reicht das, um das gesamte Unternehmen profitabel zu machen? Wie geht es weiter? Manager Hoffmann: "Weltbild hat Potenzial für einen Neustart." Wie dieser Neustart aussehen soll und ob er auch gelingen wird, darüber werden die Beteiligten vor und hinter den Kulissen noch länger streiten. Betriebsrat Boßmann stellt die Situation so dar: "Die gute Nachricht ist: Uns gibt es noch. Das war vor einem Jahr alles andere als selbstverständlich."

© SZ vom 10.01.2015/tau
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB