Hochschule Schlechte Stimmung an der Uni Passau

Carola Jungwirth ist seit 2016 Präsidentin der Universität Passau. Sie bewirbt sich im Juli um eine weitere Amtszeit.

(Foto: OH)
  • Im Sommer steht die Präsidentenwahl an der Uni Passau an - das Klima ist aufgeheizt.
  • Mehrere Professoren äußern Kritik an Amtsinhaberin Carola Jungwirth, sie werfen ihr einen autokratischen Führungsstil vor.
  • Bisher ist nicht bekannt, ob jemand Jungwirth im Juli herausfordern wird.
Von Dominik Kalus, Passau

Wenige Monate vor der Präsidentenwahl ist das Klima an der Uni Passau aufgeheizt. Mehrere Professoren äußern Kritik an Amtsinhaberin Carola Jungwirth, sie werfen ihr einen autokratischen Führungsstil vor. Bei einer Umfrage des Deutschen Hochschulverbands (DHV) über die Zufriedenheit des Lehrpersonals mit der Unileitung war Passau zudem nur im unteren Drittel gelandet.

Die Kritiker der Präsidentin möchten aus Angst vor Konsequenzen anonym bleiben, benennen aber klar ihre Punkte: "Ein problematischer Umgang mit Professoren und Gremien, eine falsche Auffassung von Führung und nichtvorhandene Erfolge", zählt ein Vertreter der Fachschaft für Informatik und Mathematik auf. Die Präsidentin versuche die Uni zu führen "wie eine Schraubenfabrik". Jungwirth, die Internationales Management lehrt, wende diese Prinzipien auf die Hochschule an. "Das ist höchst problematisch. Eine Uni ist keine Firma", heißt es aus der Philosophischen Fakultät. Zuletzt hatte sich Streit um einen von der Unileitung geplanten Studiengang entfacht. Das sogenannte Studium Digitale soll aktuellste Aspekte der Digitalisierung umfassen und Passau zum Vorreiter auf dem Gebiet machen. Doch verschiedene Seiten meldeten Zweifel an, nannten das Konzept unüberlegt und didaktisch zweifelhaft.

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Die 53-jährige Jungwirth ist seit 2016 im Amt, schon unter ihrem Vorgänger Burkhard Freitag gab es die Befürchtung, die Universität vernachlässige die Geisteswissenschaften und mache sich abhängig von Drittmitteln aus der Wirtschaft. "Wir sind vom Regen in die Traufe gekommen", sagte ein Lehrstuhlinhaber der Passauer Neuen Presse. "Fast im Wochentakt werden wir von der Unileitung mit Beschlüssen und Vorschlägen konfrontiert, die uns falsch oder gar schädlich erscheinen", heißt es in einem nicht-öffentlichen Beschwerdebrief eines Vertreters der Philosophischen Fakultät an ein Mitglied des Unirats, der als eine Art Aufsichtsrat der Universität gelten kann. Dazu der Vorwurf, wichtige Angelegenheiten würden von der Präsidentin im Alleingang entschieden. Eine von den Fakultäten gewählte Ethikkommission habe die Unileitung eigenmächtig aufgelöst und neu besetzt.

Zwar gestehen die Hochschulgesetze der Unileitung viele Freiräume zu. "Aber nicht alle nutzen diese Freiheit auch in dem Maße aus", sagt ein Kritiker. Jungwirth lege den Rahmen sehr eng aus, in dem Professoren Kritik üben dürften, und scheue nicht davor zurück, Mitarbeiter durch Disziplinarverfahren einzuschüchtern. "Wer Widerspruch gibt, muss damit rechnen, dass er bezahlen muss", sagt ein Professor. Es herrsche eine "Atmosphäre der Angst". Ein anderer Professor spricht von "latenter Drohung".

Von den 119 DHV-Mitgliedern in Passau haben sich 41 an der Umfrage zur Zufriedenheit beteiligt. Note und Platzierung sind nicht bekannt, im unteren Drittel werden die Plätze nicht gesondert aufgeführt. Jungwirth selbst führt das schlechte Ergebnis auf "strukturelle Änderungen" zurück, die "den Interessen nicht aller Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen entgegenkommen". Sie sei überzeugt, dass die Universität von diesen Maßnahmen profitiere, heißt es in einer Stellungnahme.

An der Universität ist man mit dieser Aussage nicht zufrieden. "Wir als Studierendenvertretung haben den Eindruck, dass aktuelle Probleme hinten angestellt werden für irgendwelche Prestige-Projekte", sagt die studentische Senatorin Sophia Rockenmaier. Denn Baustellen gäbe es genug: Überfüllte Seminare, zu wenig Bibliotheksplätze, schlechte Betreuung. Vielen Studenten stoße auf, dass die Universität weiter auf Expansion setze. Vergangenes Jahr hatte Jungwirth erklärt, die Universität wolle irgendwann "zu den weltweit 100 besten Unis gehören". Dieses Ziel bezeichnet ein Vertreter der juristischen Fakultät als "naiv". Rockenmaier ist sich sicher: "Wir brauchen einen Führungswechsel."

Am 25. März endet die Bewerbungsfrist für etwaige Herausforderer der Präsidentin. Das Verfahren hatte bereits Ärger ausgelöst, da die Ausschreibung dem Universitätsrat nicht vorgelegt wurde. Ohne Absprache wurde die Information eingefügt, dass die bisherige Amtsinhaberin sich erneut bewerbe. Der Universitätsrat ist das Gremium, das die Präsidentin wählt. Zehn der 20 Mitglieder sind Professoren, Mitarbeiter und Studenten der Uni, der Rest sind externe Vertreter, zum Teil aus der freien Wirtschaft, zum Teil aus Wissenschaft und Kultur.

Bisher ist nicht bekannt, ob jemand Jungwirth im Juli herausfordern wird. Die Studierendenvertretung bemüht sich, Mitarbeiter zur Kandidatur zu motivieren. Ein Herausforderer habe es sich kürzlich anders überlegt und sei abgesprungen, sagt Sophia Rockenmaier. Viele hätten Angst, zur Zielscheibe zu werden. "Falls Präsidentin Jungwirth gewinnt, wird sie sich merken, wer gegen sie angetreten ist".

Zu den Vorwürfen, sie schüchtere Mitarbeiter ein, äußerte sich Jungwirth nicht, diese seien ihr nicht bekannt. Nach der Anfrage der SZ rief die Pressestelle in einer internen Rundmail Mitarbeiter dazu auf, die Fragen zu beantworten, da einige "die Reputation der Universität Passau in ihrer Gesamtheit" beträfen. Diese Mail liegt der SZ vor. Von den mehr als 30 Adressaten meldete sich nur ein emeritierter Professor, ein externes Mitglied des Universitätsrates. Dieser nennt die Vorwürfe gegen die Präsidentin "feige, absurd, abwegig und abstoßend".