Nierenzentrum in Trostberg:Ein Schock für Dialysepatienten

Krankenkassen benachteiligen Alte und Kranke

Patienten, die mehrere Stunden an der Dialyse hängen, sind danach oft sehr geschwächt.

(Foto: Arno Burgi/dpa)

Mit einer Petition wenden sich Patienten, Bürgermeister und der Seniorenbeirat an den Landtag. Ihre Forderung: Das Nierenzentrum in Trostberg darf nicht schließen.

Von Dietrich Mittler

Für Michael Witz, Dialysepatient im oberbayerischen Trostberg, war es ein Schock: "Zum 30. September 2021 wird das KfH-Nierenzentrum nach nunmehr 20 Jahren aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen", hieß es in einer Mitteilung des KfH-Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation. Die Abkürzung "KfH" steht für die ursprüngliche Bezeichnung "Kuratorium für Heimdialyse". Seit 2015 ist Patentanwalt Witz im Trostberger KfH-Zentrum als ambulanter Patient behandelt worden, seit 2019 ist er auf die Blutwäsche angewiesen. "Meine Niere hat nur noch sieben Prozent Restfunktion", sagt er. Dreimal wöchentlich muss er sich jetzt gut fünf Stunden lang einer Dialyse unterziehen. Danach dürfe er nicht selbst Auto fahren. Nun aber solle er auf andere Standorte ausweichen, die aus seiner Sicht "aufgrund der schlechten Verkehrsanbindung" nur mit erheblichem Aufwand zu erreichen sind. Mit einer Landtagspetition will der 64-Jährige anstoßen, dass sich die Politik der Sache annimmt.

Sein offener Brief, in welchem er sich auch an Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (beide CSU) wandte, blieb bislang aus München unbeantwortet - wohl auch der Urlaubszeit geschuldet. Reagiert haben indes bereits die Bürgermeister mehrerer umliegender Kommunen, und natürlich auch Trostbergs Bürgermeister Karl Schleid (CSU). In deren Stellungnahme heißt es unter anderem: "Hier sind kurze Anfahrtswege von großer Bedeutung." Die vom KfH-Kuratorium angebotenen Alternativstandorte Traunstein, Prien und Altötting seien "nicht unbedingt als wohnortnah zu definieren". Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Patienten durch die mehrere Stunden andauernde Dialyse geschwächt seien. Oftmals bräuchten sie deshalb Unterstützung durch eine weitere Person. Und was für Bürgermeister durchaus auch eine Rolle spielt: "Es wird ein Standort im Landkreis aufgelöst, der auch Arbeitsplätze angeboten hat."

Der Trostberger Seniorenbeirat protestiert ebenfalls. Sein Vorschlag: einen anderen Träger für die Dialyse zu gewinnen. "Mit großer Sorge stellen wir fest, dass hiermit die Funktion Trostbergs als medizinischer Versorgungsschwerpunkt für den nördlichen Landkreis Traunstein wiederum geschwächt wird - wie es bereits durch die Verweigerung der Etablierung einer kassenärztlichen Bereitschaftsdienstpraxis an der Kreisklinik Trostberg geschieht", heißt es in einem Brief an Gesundheitsminister Holetschek.

Das KfH ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz im hessischen Neu-Isenburg und beschreibt sich selbst als ältesten und größten Dialyseanbieter in Deutschland. Die geplante Schließung in Trostberg - zum Jahresende wird nach Angaben einer Sprecherin auch das KfH-Zentrum im oberbayerischen Tutzing geschlossen - begründet das Kuratorium mit einer "kontinuierlich rückläufigen Patientenentwicklung und mit hohen Personalkosten". Die wohnortnahe Weiterführung der nephrologischen Sprechstunde sowie "die Versorgung der derzeit 56 Dialysepatienten" sei sichergestellt, erklärte Stefan Fuchs als kaufmännischer Leiter des KfH-Nierenzentrums Trostberg. Und was die Beschäftigten betreffe: Denen werde man "größtenteils Angebote für eine Weiterbeschäftigung in einem der benachbarten KfH-Zentren machen können".

Fuchs erhofft sich, dass eine "Weiterbehandlung der Patientinnen und Patienten in den KfH-Nierenzentren Traunstein, Altötting und Prien auch zu einer deutlich besseren Auslastung der dortigen Strukturen" führt. Für Witz und etliche seiner Mitstreiter klingt das wie Hohn. "Die haben hier ein Monopol", sagt er, "ich interpretiere die geplante Schließung des Trostberger Zentrums als künstliche Verknappung des Angebots unter Ausnutzung einer Zwangslage der Patienten." Neben der Petition plädiert Witz dafür, die Gemeinnützigkeit der KfH durch hessische Finanzbehörden überprüfen zu lassen.

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