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Schloss Neuschwanstein:Die Bettel-Schwäne von Hohenschwangau

Noch ist der Jungschwan vor Neuschwanstein wohlgenährt. Doch alleine kann er sich nicht versorgen.

(Foto: Hack/oh)

Die Sommer-Besucher haben die Wildvögel am Schloss Neuschwanstein derart überfüttert, dass die Tiere jetzt hungern.

Wer gerne Enten, Gänse, Schwäne oder andere Wildvögel füttert, sollte sich dieser Tage nach Hohenschwangau aufmachen. Dort ist zu sehen, was die gut gemeinte Gabe an die Tiere anrichten kann. Unterhalb des Schlosses in der Gemeinde Schwangau im Ostallgäu irren seit Monaten zwei Jungschwäne herum und betteln Touristen an. Die Schwäne haben ob der üppigen Gaben der vielen Gäste, die am Alpsee im Sommer Station machen, nicht gelernt, sich selbst etwas zu fressen zu suchen. Nun, da weniger Touristen zu den Königsschlössern kommen, laufen die beiden hungernd durch den Ortsteil von Schwangau. Naturschützer sind alarmiert und warnen davor, dass es künftig auch anderen Wildvögeln ergehen könnte wie den Schwänen.

Hans Hack vom Bund Naturschutz war begeistert, als sich heuer im Frühjahr ein Schwanenpaar am benachbarten Schwansee niederließ und vier Junge ausbrütete. Zusammen mit dem Nachwuchs zogen die Schwaneneltern zum Alpsee um. Dort verläuft ein Wanderweg rund um den See, und das Schloss Neuschwanstein lockt Busladung um Busladung an Touristen an.

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Ein Hund riss das Tier in einem Schlosspark in Eckersdorf. Zum Glück hat die Schlösserverwaltung bereits Erfahrung mit Kontaktanzeigen für einsame Schwäne.

Die Gäste aus aller Welt fanden die Jungschwäne im See natürlich niedlich und teilten ihre fettigen Hotdogs oder anderen Proviant, den sie sich an den Imbissständen besorgten oder in ihren Handtaschen mit sich herumtrugen, mit den Tieren. Den Altschwänen und zwei ihrer Jungen war der Rummel offenbar zu viel - sie zogen an den Lech um. Zwei Junge blieben aber am Alpsee und ließen sich von den Touristen regelrecht vollstopfen.

Körperliche Schäden hätten die Vögel dadurch noch nicht erlitten, wie die erste Untersuchung eines Tierarztes ergeben habe, berichtet der stellvertretende Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz. Eine Laboranalyse ihres Kots stehe zwar noch aus, augenscheinlich hätten sie Fütterorgien aber glücklicherweise gut überstanden, sagt Hack weiter: "Kurioserweise hat's ihnen nichts ausgemacht."

Seit Mitte September der Touristenstrom nachgelassen hat, haben sich die Schwäne nicht etwa aufs Wasser zurückgezogen, um dort zu gründeln, wie es normal wäre. Stattdessen laufen sie in Hohenschwangau zwischen den Hotels hin und her und gehen auch auf der Zufahrtsstraße zum Schloss ohne jede Scheu Touristen um Futter an.

Der 73-jährige Hack hat versucht, sie mit Haferflocken zurück zum See zu locken, was zunächst auch funktionierte. Die Tiere gingen aber nur ins Wasser, wenn sie dort von Menschenhand gefüttert wurden. Sie haben nie gelernt, wie ihre Artgenossen den Kopf ins Wasser zu stecken und den Grund nach Essbarem aufzuwühlen. Die ihnen angewöhnte Form der Nahrungsaufnahme ist und bleibt das Betteln. Dabei sind sie sehr geschickt. "Auch wenn sie vollgefressen sind, tun sie so, als würden sie verhungern." Hack geht davon aus, dass sie die natürliche Nahrungssuche nicht mehr lernen werden. "Das ist vorbei", sagt er bitter.

Ruheräume für Wildvögel

Weil er befürchtet, dass künftig auch andere Schwanenjunge auf den Geschmack gebracht werden, bat er bei der Schlösser- und Seenverwaltung um Hilfe. Sein Plan war, auf dem See ein Floss mit Futter zu installieren. Doch die Schlösserverwaltung habe abgewunken, berichtet der Naturschützer. Man habe ihm gesagt, wenn die Touristen so blöd seien, die Tiere zu füttern, könne man nichts machen.

Eine Möglichkeit wäre, Schilder mit dem Hinweis aufzustellen, dass Wildvögeln nichts gegeben werden sollte. Laut Hack habe sich andernorts aber gezeigt, dass sich viele Besucher dafür nicht interessierten.

Der Bund Naturschutz fordert nun, die Hälfte des Wanderweges rund um den See vom Wasser weg zu verlegen, damit Wildvögel sich in Ruheräume zurückziehen und natürlich entwickeln können. "Sie brauchen eine Pufferzone", sagt Hack.

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