Tegernsee Gut Kaltenbrunn öffnet wieder

Michael Käfer investierte einen Millionenbetrag.

(Foto: Manfred Neubauer)
  • Das Gut Kaltenbrunn öffnet nach zehn Jahren Pause wieder sein Pforten.
  • Es gehört nun zum Feinkostimperium von Michael Käfer.
  • Ursprünglich sollte das Gut Kaltenbrunn zu einem Luxushotel umgebaut werden, doch Heimatschützer protestierten dagegen.
Von Heiner Effern und Franz Kotteder, Gmund

Als der Regen endlich aufhört, öffnet Michael Käfer die große Glastür und tritt hinaus auf die Terrasse. "Das ist wirklich ein magischer Ort", sagt er und zeigt auf den Tegernsee, der noch etwas grau daliegt, aber seine wahre Schönheit bei Sonnenschein schon ahnen lässt. Aus den Hügeln und Bergen ringsum steigen Dunst und Nebel, und einen Moment lang fragt man sich, ob man jetzt in einem Heimatroman von Ludwig Ganghofer gelandet ist oder auf dem oberen Biergarten von Gut Kaltenbrunn. Letzteres, stellt man fest, denn Käfer schwärmt von den Lichtern an den Seeufern in lauen Sommernächten. "Hier nimmt man es dem Ministerpräsidenten ab, wenn er sagt, Bayern sei die Vorstufe zum Paradies."

Gut Kaltenbrunn Der Coup vom Tegernsee
Gut Kaltenbrunn

Der Coup vom Tegernsee

Der Münchner Gastronom Michael Käfer soll es richten: Fünf Jahre lang lag einer der schönsten Biergärten des Freistaats brach, nun gibt es ein Konzept für Gut Kaltenbrunn am Tegernsee. Die Wirtschaft soll 2015 eröffnet werden und eine zweite Terrasse bekommen.   Von Heiner Effern

Käfer hat doppelt Grund zum Schwärmen: Schließlich gehört das Gut nun zum Reich des Münchner Feinkostkönigs. Am kommenden Donnerstag öffnet das Gut Kaltenbrunn nach fast zehn Jahren Pause wieder seine Türen. Auf 15 Jahre hat Käfer die Gastronomie von Alexandra Schörghubers Blue Lion GmbH gepachtet, sein Innenarchitekt Peter Buchberger hat das neu gebaute Salettl und den Königsbau mit Wirtsstuben und Festsaal im gehobenen Luxus-Alm-Stil ausgestattet. Deshalb schaut er kurz ein wenig geschmerzt, als Käfer der Satz herausrutscht: "Das Wichtigste sind natürlich die Fenster."

Heimatschützer wehrten sich gegen den Umbau zum Luxushotel

Aber klar, das muss Buchberger einsehen: Gegen die prachtvolle, unverbaubare Naturkulisse und den einzigartigen Seeblick kann man mit menschlichen Mitteln halt nicht anstinken. Deshalb waren die Mittel, mit denen der Mensch sich an diesem einzigartigen Ort am Nordufer des Sees breit macht, im vergangenen Jahrzehnt auch so heftig umstritten. Ursprünglich wollte die Familie Schörghuber den Vierseithof, der vorher dem Kloster Tegernsee und den Wittelsbachern gehörte, zu einem Luxushotel umbauen. Denkmal- und Heimatschützer wehrten sich dagegen, bis der Fall schließlich vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof landete.

Da schaust: Rechts vorne am Tegernseeufer liegt das Gut Kaltenbrunn mit seinem Edel-Biergarten.

(Foto: imago/imagebroker)

Am Tegernsee, diesem Extrakt Bayerns aus rauen Bergen und glasklarem Wasser, aus weiß-blauem Himmel oben und Trachtlern und Gebirgsschützen darunter, entzündete sich die grundsätzliche Frage: Wie weit darf ein Investor gehen im Alpenvorland? Wie weit muss ihm die Politik entgegenkommen? Wie viel Idyll wollen die Einheimischen opfern, um ihre Konkurrenzfähigkeit im lebenswichtigen Tourismus und damit ihren Wohlstand zu erhalten? Der Verfassungsgerichtshof sprach dazu am 22. Juli 2008 ein bemerkenswertes Urteil.

Denkmalschutz sei "in nicht mehr zu rechtfertigender Weise" missachtet worden

Im Konkreten, weil es den Bebauungsplan für Schörghubers Hotel für nichtig erklärte. Die Begründung war so glasklar wie das Wasser des Sees: Der Denkmalschutz sei "in sachlich schlechthin nicht mehr zu rechtfertigender Weise missachtet" worden, als die Gemeinde Gmund den Umbau genehmigte. Darüber hinaus sendeten die Richter eine allgemeine Botschaft an die Kommunen: Sie hätten laut Verfassung "die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen". Der Eigentümer, sprich auch ein Investor, müsse "grundsätzlich hinnehmen, dass ihm eine möglicherweise rentablere Nutzung des Grundstücks verwehrt bleibt". Zum Leidwesen der Kollegen an den Verwaltungsgerichten verhallt diese Botschaft bis heute oft noch ungehört.

Auch die Familie Schörghuber kaute schwer an diesem Urteil. Als Stefan Schörghuber im November 2008 starb, strafte sie das Gut mit solcher Missachtung, dass ein defektes Dach nur noch mit einer Plane abgedeckt wurde. Bis Michael Käfer, der eine Ferienwohnung am See besitzt, den Anblick leid war und bei Alexandra Schörghuber vorsprach.

So erzählt er es selbst. Die beiden kamen zusammen, der Denkmalschutz spielte mit, weil die Hauptmerkmale des geschützten Guts erhalten bleiben, und die Handwerker rückten an. Einen deutlichen zweistelligen Millionenbetrag soll die Renovierung kosten, die erst 2016 mit dem Ausbau des Rinder- und des Pferdestalls sowie des Gesindehauses abgeschlossen wird. Wenn sie das Gut, über das keineswegs eine Käseglocke gestülpt wurde, heute sieht, freut sich aber auch Alexandra Schörghuber. "Es ist wunderschön geworden." Ihre Familie habe immer zum Wohl der oberbayerischen Heimat investieren wollen. Das sei von manchen nicht verstanden worden.

Käfer will ein Konzept für alle Bevölkerungsschichten

Mit den fast 1100 Plätzen im Biergarten und in den Gaststuben fängt Michael Käfer nun an, die Gastronomie zu bespielen. Ein Konzept für alle Bevölkerungsschichten soll es werden, für Einheimische und Ausflügler gleichermaßen. Küchendirektor Andreas Schinharl soll es mit seinem 18-köpfigen Team umsetzen. Sein Credo entspricht voll dem, was auch Käfer heute vertritt. "Mein Onkel hat die Waren noch aus Paris geholt", sagt der, "heute kommen die wahren Delikatessen aus der Umgebung." Im Falle von Gut Kaltenbrunn bedeutet das: Viele Produkte stammen aus der eigens gegründeten Erzeugergemeinschaft Käfer Gut Kaltenbrunn mit Bauern aus der Nachbarschaft - Fleisch vom Murnau-Werdenfelser Rind etwa oder von den Schlierseer Steinschafen, die auf den sieben Hektar Wiesen unterhalb des Biergartens grasen.

Die Speisekarte ist vom Wurstsalat bis hin zum Lendensteak so regional wie erlesen zugleich. Was die Preise betrifft, geht es eher in Richtung erlesen: Man befindet sich immerhin bei Käfer. Die Leberknödelsuppe kostet 6,50 Euro, die halbe Ente 24,50 Euro, für die Halbe Bier vom Fass zahlt man 3,50 Euro, die Weine beginnen bei 3,30 Euro für 0,1 Liter, ansonsten ist die Skala nach oben hin offen. Das könnte ein Hindernis sein, wenn man wirklich alle Bevölkerungsschichten haben will. Der Ausblick von den Biergartenterrassen ist es ganz sicher nicht.