bedeckt München 28°

Seehofer-Nachfolge:Der Massel

Bayerische Kabinettssitzung

Der Mann für Böschungsbrände: Marcel Huber, studierter Tierarzt und spätberufener Politiker.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Staatskanzleichef Marcel Hubers bayerischer Spitzname deutet schon darauf hin: Der Mann hat Glück. In der CSU halten ihn etliche geeignet für den Job an der Spitze. Wenn er bloß nicht so brav wäre.

Sein letzter Einsatz? In der Hagenau, einem kleinen Ortsteil von Ampfing, hatten Äste vor ein paar Wochen Feuer gefangen. "Ein Böschungsbrand, nichts Großes", sagt Marcel Huber. Aber er war zu Hause, also rückte er aus. 15 Jahre war Huber in seiner Heimatgemeinde Ampfing erster Feuerwehrkommandant, bis er keine Zeit mehr dafür hatte. Nur fünf Einsätze fuhr er in diesem Jahr. Viel zu wenig für einen wie ihn, der mit Leib und Seele Feuerwehrmann ist. Egal wo.

Die Frage nach dem letzten Einsatz? Marcel Huber hätte sie ebenso gut mit der Asylproblematik, Energiewende, dem Länderfinanzausgleich, Griechenland-Streit oder einem neuen Kulturprogramm für Bayern beantworten können. Selten war ein Chef der bayerischen Staatskanzlei so gefordert wie er. Wenn es brennt - und das ist im Moment oft der Fall -, muss der Feuerwehrmann Huber es richten.

Auch die Verhandlungen mit dem Bund für den G-7-Gipfel liefen über seinen Tisch, jedes noch so kleine Detail. Doch als Barack Obama endlich zum Weißwurst-Essen eintraf, waren es Politiker wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, die sich wie kleine Kinder freuend vor das Rathaus in Krün stellten. Huber hatte in München einen Termin mit Gästen aus Afrika.

Als Haderthauer nicht mehr zu halten war, musste Huber ran

Im Hintergrund zu arbeiten, während andere in die Öffentlichkeit drängen: "Das war die Stellenbeschreibung", sagt Huber. Er wusste, worauf er sich einlässt. Schon 2011 hatte er ein halbes Jahr die Staatskanzlei geleitet, ehe er Umweltminister wurde. Als Christine Haderthauer wegen der Modellbau-Affäre nicht mehr zu halten war, musste er wieder ran. Es war im vergangenen September, Huber radelte mit seiner Frau durch Österreich, als Ministerpräsident Horst Seehofer anrief. Er brauche ihn, es tue auch gar nicht weh, flötete Seehofer. Zwei Tage später saß Huber wieder an seinem alten Schreibtisch.

Ein Staatskanzleichef ist ein Manager der Macht, der Geschäftsführer der Regierung. Ein Ministerpräsident muss ihm persönlich vertrauen und jedes Problem anvertrauen können. Seehofer sagt nicht Marcel, wenn er über Huber spricht, sondern "Massel", wie das Wort für unverhofftes Glück: "Allzweckwaffe", "Inbegriff der Zuverlässigkeit", "die Diskretion in Person" - der Huber, der beherrsche alles, bloß "keine Intrigen", sagt Seehofer. Wer ihn je über andere Minister sprechen hörte, fragt sich unweigerlich, ob er mit diesem überschwänglichen Kompliment etwas im Schilde führt.

Für Ministerpräsident Horst Seehofer ist sein Staatskanzleichef eine "Allzweckwaffe".

(Foto: dpa)

Seehofers großer Ehrgeiz ist es, nicht nur ein gut bestelltes Bayern zu übergeben, sondern einen geordneten Übergang hinzubekommen. Als Ministerpräsident will er bis zum Ende der Amtszeit 2018 regieren. Ob seine eigene Partei ihn lässt, ist angesichts der Erfahrungen der Vergangenheit zu bezweifeln: Max Streibl, Edmund Stoiber, Günther Beckstein - alle Vorgänger wurden vor ihrer Zeit gestürzt. Schon jetzt bringen sich mögliche Nachfolger in Stellung. Doch es gibt auch Leute in der CSU, die auf die Frage "Markus Söder oder Ilse Aigner?" mit Marcel Huber antworten. Huber winkt dann nur ab. Er habe genügend zu tun, als dass er sich über so einen Kram den Kopf zerbrechen könnte. "Wir müssen unsere Arbeit erledigen." Andere denken, mit 57 Jahren wäre er bereits zu alt für einen Generationswechsel.