Horst Seehofer nach der Bundestagswahl Im Zenit seiner Macht

Zwei Wahlerfolge in einer Woche: Die Wähler haben in Bayern für so klare Verhältnisse gesorgt, wie man sie der CSU nach den vielen Pannen gar nicht mehr zugetraut hatte. Parteichef Seehofer ist in der Union nun endgültig der starke Mann neben Kanzlerin Merkel.

Ein Kommentar von Andreas Roß

Andere Menschen denken im Alter von 64 Jahren ans Aufhören, an den baldigen Ruhestand und was man daraus machen kann. Nicht so Horst Seehofer. Der Mann, der schon so viele Höhen und Tiefen in seinem politischen Leben durchlaufen hat, ist mit 64 Jahren auf dem Zenit seiner Macht angekommen.

Innerhalb von nur einer Woche konnte der CSU-Chef gleich zwei famose Wahlerfolge für seine Partei einfahren. Zuerst bei der Wahl zum Landtag und jetzt - im Ausmaß und in der Bedeutung noch ein ganzes Stück opulenter: der geradezu triumphale Sieg der CSU bei der Wahl zum Bundestag.

Hatte er vergangenen Sonntag eingedenk der Schmach der Landtagswahl von 2008 noch erklären können: "Wir sind wieder da", durfte Seehofer nun sogar den "Goldenen Herbst" für die CSU ausrufen. Der Wähler hat im Freistaat für so klare Verhältnisse gesorgt, wie man sie der CSU nach den vielen Pannen, die es in den zurückliegenden Jahren gegeben hat, schon gar nicht mehr zugetraut hatte.

Wenn man so will, hat die Partei im Augenblick zwischen Hof und Oberstdorf und zwischen Aschaffenburg und Berchtesgaden keinen ernst zu nehmenden Konkurrenten mehr: die Zustimmungswerte zur bayerischen Regierungspartei sind gerade mit dieser Bundestagswahl wieder so groß, dass Welten zwischen der CSU und ihren politischen Mitbewerbern von SPD, Grünen, Freien Wählern, Linken und Piraten liegen. Und auch die Alternative für Deutschland (AfD) hat der CSU in Bayern nicht wirklich Schaden können.

Ende der Karriere von Leutheusser-Schnarrenberger?

Seehofer ist in der Union nun endgültig der starke Mann neben Kanzlerin Angela Merkel. Nach ersten Berechnungen wird die CSU mit womöglich 58 Abgeordneten in den Bundestag einziehen - ein gutes Dutzend mehr als 2009.

Man darf gespannt sein, wie Horst Seehofer mit diesem gewaltigen Zugewinn an Einfluss in Berlin umzugehen gedenkt und was er dabei - und das ist für die CSU immer das Wichtigste - für den Freistaat herausholen kann. In einer großen Koalition mit der SPD wäre aber auch die CSU nur drittstärkste Kraft am Berliner Kabinettstisch.

Bitter war der Wahlsonntag für die bayerische FDP: Sie ist raus aus dem Landtag und raus aus dem Bundestag. Keine Minister mehr, keine Abgeordneten und immer weniger Mitglieder. Der politische Scherbenhaufen ist so groß, dass er wohl kaum zu kitten sein wird. Dieses Desaster dürfte auch das Ende der politischen Karriere von Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bedeuten.

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