Seehofer gegen Söder:"Ich bin auch, ehrlich gesagt, nicht so eine Heulsuse"

Seitdem hat man Söder und Seehofer nie wieder in herzlicher Verbundenheit gesehen. Sie treffen häufig aufeinander, stets steht erkennbar etwas mit im Raum, trotz all der Bekenntnisse, man habe sich ausgesprochen. So ist es auch an diesem Mittwoch. Söder und Seehofer treffen sich im Landtag vor dem Fraktionsraum. Keine Geste der Herzlichkeit, kein freundliches Wort. Ihre Wege kreuzen sich. Nicht mehr.

Seehofer nennt, was vorgefallen ist, "Pipifax". Und räumt ein: "Ich hätte ihn gerne dabeigehabt." Schließlich sei es um eine Grundsatzfrage gegangen. Nun werde demnächst entschieden. "Das passt so." Die Zusammenarbeit mit Söder funktioniere "sehr gut". Auch an Söders Auftritt bei Lanz störe er sich nicht. Söder sei "mit einem Maße an Humor an das Gespräch herangegangen, das mir gefällt".

Auch Söder spielt alles herunter, zuckt mit den Achseln. "Ich sehe das nicht so dramatisch", sagt er "Wenn man sich wegen der politischen Dimension noch mal besprechen will - kein Problem." Er, und das schwingt in seinen Worten mit, bräuchte ein neuerliches Treffen jetzt nicht unbedingt. Sein Staatssekretär sei ein guter Mann. Pschierer habe sich federführend um die Stiftung gekümmert. "Dafür haben wir Staatssekretäre. Pschierer war sprechfähig", sagt Söder.

Auf die Frage, wie er das Verhältnis zu Seehofer beschreiben würde, erkundigt er sich zunächst, was Seehofer geantwortet hat. Dann sagt auch er: "Sehr gut."

Über Seehofers mitunter ruppigen Stil, wie er in dieser Woche auch durch die hämische Attacke auf seinen bisherigen SPD-Gegenkandidaten im Stimmkreis, Mahmoud Al-Khatib, wieder offenbar wurde, ist seitdem in der CSU viel gesprochen worden. Söder dagegen scheint das Zerwürfnis mit Seehofer nicht geschadet zu haben. Auch er aber muss, wie zuletzt am Nockherberg, damit leben, dass das Thema nicht wieder verschwindet. Auch wenn er es bei Lanz dann noch einmal betont: "Wenn's dann mal ausgesprochen ist, muss man's auch mal für sich erledigt sein lassen."

Söders Talkshow-Auftritt ist interessant, auch weil es nach einem bei Maybrit Illner der zweite in nur sechs Tagen ist. In der Runde und im Publikum bei Lanz scheint sich Söder Sympathien zu erspielen, auch damit, dass er einräumt, "getroffen" und "schon auch verletzt" gewesen zu sein. Und dann anfügt: "Ich bin auch, ehrlich gesagt, nicht so eine Heulsuse."

Dass Söder die Talkshows gerne aufsucht, weiß man schon länger. Ironischerweise kündigt die SPD genau am Tag des neuerlichen Aufeinanderpralls eine Anfrage zu Söder an: weil er zu viel Zeit in den Talkshows verbringe und zu selten in den Sitzungen sei. Während all das passiert, hat Söder schöne Termine: Am Vormittag macht er eine Pressekonferenz mit dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg, am Nachmittag lässt er sich am Nürnberger Flughafen beim 40-jährigen Jubiläum der Turkish Airlines ablichten. Wenn Seehofer ihn braucht, hat er keine Zeit. Der Machtmensch Söder, das ist unübersehbar, nimmt gerade wieder Fahrt auf.

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