Schnee-Chaos Viele Strecken von Regionalzügen südlich von München sind gesperrt

"Kein Zugverkehr", heißt es an vielen Bahnhöfen, wie hier in Miesbach.

(Foto: dpa)
  • Zahlreiche regionale Zugstrecken sind wegen des starken Schneefalls in Oberbayern gesperrt.
  • Die Bayerische Oberlandbahn hat beispielsweise ihre Verbindungen nach Tegernsee, Schliersee und Bayrischzell eingestellt.
  • Bei der Münchner S-Bahn gibt es witterungsbedingte Probleme.
  • Etwa 150 Flüge wurden am Airport München annulliert.
  • Auf verschiedenen Autobahnen in Südbayern und Oberfranken ist es es zu zahlreichen Unfällen gekommen.
  • Bis mindestens Mitte nächster Woche soll es vor allem im Alpenraum weiter schneien.

Der Schneefall im Süden Bayerns nimmt kein Ende und beeinträchtigt den Verkehr: Fahrgäste der Regionalbahnen südlich von München müssen sich auch am Donnerstag auf erhebliche Behinderungen einstellen. Zahlreiche Strecken im Alpenvorland, in den Landkreisen Traunstein sowie in Garmisch-Partenkirchen sind komplett gesperrt. Im Landkreis Miesbach hat die Bayrische Oberlandbahn (BOB) nach Tegernsee, Schliersee und Bayrischzell ihren Betrieb eingestellt. Das teilte ein Sprecher der Bahn am Morgen mit.

Hauptsächlich seien Bäume, die wegen der Schneelast auf Gleise und Oberleitungen gefallen sind, das Problem. Ein umgefallener Baum verursachte in den frühen Morgenstunden bei der Münchner S-Bahn auf der Linie S4 in Buchenau (Landkreis Fürstenfeldbruck) Störungen im Fahrplan. Auf der Linie S2 gab es einen Unfall mit einem Räumfahrzeug und einer S-Bahn. Darum ist die Strecke zwischen Markt Schwaben und Erding gesperrt. Die Bahnen aus Richtung München verkehren bis Markt Schwaben und enden dort vorzeitig., ein Ersatzverkehr mit Bussen und Taxen ist eingerichtet. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand. Bei Hauptstrecken der Deutschen Bahn, wie etwa von München in Richtung Österreich oder nach Augsburg, gebe es keine Probleme. Laut eines Sprechers könne es hier allenfalls vereinzelt zu Weichenstörungen kommen.

Wetter "Uns geht's versorgungstechnisch gut"
Eingeschneit in Jachenau

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Seit Tagen ist die Gemeinde Jachenau weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Während die Feuerwehr Lebensmittel organisiert, machen die Einwohner Zwangsurlaub und genießen die Stille.   Von Matthias Köpf

Am Flughafen München sind etwa 150 Verbindungen gestrichen worden. Etwa 100 Flüge entfielen demnach wegen der Warnstreiks des Sicherheitspersonals an den Airports Stuttgart, Köln/Bonn und Düsseldorf. Ungefähr ein Drittel der Annullierungen habe wetterbedingte Ursachen - allerdings liege das an den Witterungsverhältnissen an anderen Orten und nicht an den Schneeverhältnissen am Flughafen München, sagte ein Sprecher. "Wir haben hier deutlich weniger Schnee als in der Stadt, beide Bahnen sind freigeräumt."

Zahlreiche Unfälle auf schneeglatten Straßen

In der Nacht zum Donnerstag kam es zu zahlreichen Verkehrsunfällen - einige Straßen sind laut Polizei gefährlich glatt. Vor allem im südlichen Oberbayern kamen viele Fahrzeuge ins Schlingern und rutschten in Straßengräben, wie die Polizei am Donnerstagmorgen mitteilte. Eine Sprecherin schätzte die Zahl der Unfälle auf bis zu 100.

Im nördlichen Oberbayern und in Niederbayern blieben einige Fahrzeuge, vor allem Lastwagen, an Steigungen liegen. In Niederbayern wurde die Polizei von Mittwochabend bis Donnerstagfrüh zu 25 Verkehrsunfällen gerufen, dabei habe es einen Leichtverletzten gegeben.

Schwerverletzt worden sei ein 47-Jähriger, er geriet laut Polizei mit seinem Auto in Berngau (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) ins Schleudern, sein Wagen sei gegen einen entgegenkommenden Lastwagen geprallt.

Zug erfasst Auto an Bahnübergang in Niederbayern

Ebenfalls die Kontrolle verlor ein Mann in Essenbach (Landkreis Landshut), sein Wagen kam auf den Gleisen eines Bahnübergangs zum Stehen. Als der Fahrer per Handy den Notruf alarmierte, erfasste ein Zug sein Auto - der Mann war nicht mehr in seinem Fahrzeug. Auch sonst wurde niemand verletzt, der Bahnverkehr läuft wieder ohne Behinderungen, teilte die Polizei in Niederbayern mit.

Auf der Autobahn 72 zwischen den Dreiecken Hochfranken und Bayerisches Vogtland ist der Verkehr nach Polizeiangaben in der vergangenen Nacht zeitweise zum Erliegen gekommen. Am Mittwochabend bereits war ein Gefahrgutfahrzeug in der Spange der A 72 zur A 9 liegen geblieben war und stand quer auf der Fahrbahn. Wenig später blieben mehrere Lastwagen und Sattelzüge am so genannten Saaleanstieg, zwischen den Anschlussstellen Hof-Töpen und Hof-Nord, auf den schneebedeckten, teilweise vereisten Fahrbahnen hängen. Zahlreiche Kraftfahrer wollten überholen, blieben mit ihren schweren Lastzügen ebenfalls stecken und blockierten die A 72 in Richtung Hof schließlich vollständig.

Erst nach Mitternacht weckte die Polizei zahlreiche Lastwagenfahrer - die Autobahn war geräumt und der Verkehr lief wieder an. Allerdings: Nach rund 40 Zentimetern Neuschnee innerhalb weniger Stunden verschärfte sich die Situation erneut. Am frühen Morgen gibt es darum mehrere Staus: auf der A 72 von Plauen Richtung Bayern geht es auf rund 15 Kilometern nicht vorwaärts, auf der A 93 von Rehau-Nord zum Dreieck Hochfranken stauen sich die Fahrzeuge auf etwa 12 Kilometern zurück.

Seit Tagen schneit es vor allem im Alpenraum immer wieder. Dort gilt auch für Donnerstag die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Der Schneefall soll aber nachlassen, die Lawinensituation dürfte sich dann etwas entspannen in den nächsten Tagen. Skitouren und Abfahrten abseits gesicherter Skipisten sollte dennoch nur unternehmen, wer die Lawinenlage wirklich beurteilen kann.

Schulfrei in vielen Landkreisen in Oberbayern

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ist bis mindestens Mitte nächster Woche vor allem im Alpenraum mit Schnee zu rechnen. Eine aktuelle Unwetterwarnung wegen heftiger Schneefälle gilt bis Freitag.

Für viele Kinder vor allem in Oberbayern bedeutet die weiße Pracht schulfrei. Immer mehr Landkreise lassen aus Sicherheitsgründen den Unterricht ausfallen - manchmal flächendeckend, manchmal nur in einzelnen Schulen. Die Lehrer müssen sich dennoch im Schulgebäude aufhalten, wie ein Sprecher des Kultusministeriums sagte. Für sie gelte in der Regel eine Dienstpflicht. Außerdem seien sie für die Betreuung von Schülern zuständig, die trotz schwieriger Bedingungen in die Schulen kommen. Im Oberallgäu betonten die Behörden, dass der Schulbetrieb dort regulär stattfinde.