Schechen:Betreiberin der "Querdenker"-Schule droht Verfahren

Schließung von nicht genehmigter Schule

Das Ortsschild von Schechen im Landkreis Rosenheim - dort befindet sich die nun geschlossene Schule.

(Foto: dpa)

Nach der Schließung einer illegalen Schule in Oberbayern wird der Fall aufgearbeitet. Die Betreiber der mutmaßlichen Querdenker-Schule argumentieren, sie unterlägen nicht deutschem, sondern russischem Recht.

Nachdem die Behörden am Mittwoch eine mutmaßliche Querdenker-Schule im Landkreis Rosenheim geschlossen haben, droht der Betreiberin ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit. Als solche stuft die zuständige Regierung von Oberbayern das Einrichten und Führen einer staatlich nicht genehmigten Schule ein. Der Gründerin und Leiterin dieser Schule drohen darüber hinaus dienstrechtliche Konsequenzen, weil sie als verbeamtete Lehrerin an einer oberbayerischen Grund- und Mittelschule tätig sein sollte. Dort war sie jedoch schon seit vielen Monaten krank geschrieben.

Die Regierung hat nach eigenen Angaben bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass noch weitere Lehrer aus staatlichen Schulen auf dem abgelegenen, zuvor lange verlassenen Hof bei Deutelhausen in der Gemeinde Schechen unterrichtet haben. Den seit Schuljahresbeginn dort laufenden Unterricht haben laut der Schulleiterin neben Kräuterpädagogen und Schamanen auch Lehrer gestaltet, die "aus dem System" ausgestiegen seien. Eingestiegen wären sie dann offenbar in die Gedankenwelt der Querdenker und der "Reichsbürger". Letztere leugnen unter anderem die Legitimität und teils die Existenz der Bundesrepublik Deutschland.

Die Schule in Schechen berief sich auf eine Stiftung nach russischem Recht und darauf, auf russischem Territorium zu liegen. Welche Weltanschauung die Eltern der rund 50 dort unterrichteten Schüler pflegen, ist weiterhin offen. Sie kommen laut Regierung aus einem weiten Umkreis im südlichen Oberbayern. Den Eindruck einer geschlossenen Gruppe habe man bisher nicht gewonnen.

Konsequenzen drohen den allermeisten Eltern und Schülern nicht. Denn nach wie vor steht es Eltern frei, ihre Kinder angesichts verpflichtender Corona-Tests in den Schulen vom Präsenzunterricht abzumelden. Die Behörden haben die Schüler zudem nicht namentlich registriert.

© SZ vom 25.09.2021 / kpf
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