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"Retten die Bienen":Bündnis reagiert auf Bauern-Kritik

Volksbegehren werde zu einem Investitionsprogramm in der Landwirtschaft führen

Von Lisa Schnell

Das Bündnis des Volksbegehrens für mehr Artenvielfalt reagiert auf die Kritik des Bauernverbandes. Dessen Präsident Walter Heidl hatte in einem offenen Brief geklagt, das Volksbegehren unterstütze nicht die bäuerliche Landwirtschaft. "Wir sind an einem Einvernehmen mit unseren Landwirten interessiert und nehmen die Einwände ernst", heißt es in einem Briefentwurf des Bündnisses an Heidl, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die Bedenken könnten in wesentlichen Bereichen entkräftet werden.

Heidl hatte beklagt, dass die Förderungen, von denen Bauern profitieren, wenn sie sich an Agrarumweltprogrammen beteiligen, durch das Volksbegehren wegfallen würden. Das Bündnis dagegen verweist darauf, dass ein Volksbegehren zu einem "Investitionsprogramm für die Landwirtschaft" führen werde und damit "Landwirte, die Leistungen für das Gemeinwohl bringen, in Zukunft noch stärker gefördert" würden. Anders als Heidl, der schrieb, "Freiwilligkeit funktioniert", heißt es in dem Briefentwurf des Bündnisses: "Die bisherigen freiwilligen Leistungen der Landwirte (...) konnten den Artenrückgang im Acker- und Grünland nicht aufhalten", und das, "obwohl die bayerischen Landwirte dafür ca. 270 Millionen Euro pro Jahr erhalten." Die 1,3 Millionen Hektar, die in Bayern laut Heidl nach den Vorgaben der Umweltprogramme bewirtschaftet werden, wirkten leider "nur zu einem geringen Teil dem Aussterben der Arten entgegen". Die Hälfte der Fläche beziehe sich auf die bodennahe Gülleausbringung, die keinen positiven Aspekt für die Artenvielfalt bringe.

Der von Heidl angemahnte Engpass der Molkereien bei Biomilch werde sich bald auflösen, heißt es in dem Entwurf. Das Bündnis ruft Politik und Wirtschaft dazu auf, ihren Anteil daran zu leisten, den Biomarkt zu stärken: "Wir sehen hier insbesondere die Kantinen als potente Großabnehmer in der Pflicht." Die Programme "Bayern blüht auf" und "Blühende Rahmen", die laut Heidl einen "echten Beitrag" zur Artenvielfalt leisten, wiesen zwar in die richtige Richtung, das Insektensterben aber könnten sie alleine nicht aufhalten. Ein Großteil der in den Blühstreifen am Rande der Äcker verwendeten Pflanzen sei nicht heimisch und trage damit nicht zur Vermehrung unserer Insekten bei, heißt es in dem Briefentwurf. Am Ende ruft das Bündnis Heidl auf, gemeinsam das Bewusstsein der Menschen für den Naturschutz zu stärken. Zu jedweder fachlichen Diskussion mit ihm sei man gerne bereit.

Bis Anfang der Woche haben sich mit ungefähr 250 000 Unterzeichnern 2,7 Prozent der Wahlberechtigten für das Volksbegehren eingetragen. Besonders viele Unterschriften gibt es nach Angaben der Grünen im Landkreis Landsberg am Lech. In Egling an der Paar waren es elf Prozent der Wahlberechtigten. Im fast gleich großen unterfränkischen Steinfeld dagegen nur 0,07 Prozent.

Die Bayernredaktion der SZ veranstaltet am Donnerstag, 7. Februar, in Neumarkt-St. Veit eine Podiumsdiskussion zu dem Volksbegehren. Gäste sind Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler), der Biologe Josef Reichholf, die Imkerin Helga Pausch und Christian Sebald, der Umweltexperte der SZ-Bayernredaktion. Moderatorin ist SZ-Bayern-Teamleiterin Katja Auer. Die Veranstaltung wird von 19.30 Uhr an per Livestream (www.sz.de/bienen) übertragen.

© SZ vom 05.02.2019
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