Regensburger Korruptionsprozess Bauunternehmer Tretzel gibt Einblick in sein Leben

Im Regensburger Korruptionsprozess hat der angeklagte Bauunternehmer Volker Tretzel Einblick in sein Leben gegeben. Vor dem Landgericht machte er am Montag Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen. Seine Finanzen legte der 76-Jährige nicht offen. Mit seinen detailreichen, humorigen Erzählungen löste der schöngeistige Jurist Heiterkeit im Gerichtssaal aus. "Ich fand es manchmal durchaus erholsam, hier zu sitzen, ich habe in meiner Firma mehr Stress", sagte er. Die Vorsitzende Richterin Elke Escher konterte: "Ich nehme das als Kompliment." In dem seit sechs Monaten laufenden Verfahren geht es unter anderem um die Frage, ob bei der Vergabe eines Bauprojektes der Stadt an Tretzel dessen Spenden an die SPD im Kommunalwahlkampf 2014 sowie an den Sportverein Jahn Regensburg eine Rolle gespielt haben. Tretzel werden Vorteilsgewährung und Beihilfe zum Verstoß gegen das Parteiengesetz vorgeworfen.

Der Jurist Tretzel ist ein Selfmade-Unternehmer mit Faible unter anderem für Technik und Architektur. Aufgewachsen ist er bei Augsburg, Abitur am humanistischen Gymnasium in Weiden, dann Jurastudium und parallel zu seiner Tätigkeit als Anwalt bereits die Firmengründung in Regensburg. Eigentlich, so erzählte er, wäre er gerne Flugzeugingenieur geworden. Doch sei die Flugzeugindustrie damals am Boden gewesen. Deshalb Jura. Die Fliegerei ist seine Leidenschaft geblieben. Tretzel berichtete von seiner Liebe zur Musik. Vom ersten selbst verdienten Geld habe er sich einen Flügel gekauft, und weil seine Wohnung dafür zu klein gewesen sei, diesen zu seinen Eltern gestellt. Die hätten sein "Geklimper" ertragen müssen.

Die Zeit in Untersuchungshaft Anfang 2017 habe ihn kaum belastet, sagte er. "Weil ich vom Militär her die Stockbetten gut kannte. Die Unterbringung beim Militär war auch nicht besser." Er habe dann ein Einzelzimmer bekommen, in dem er habe lesen können. "Mein TV-Gerät habe ich an andere Zimmer ausgeliehen, weil die armen Kerle kein Geld hatten." Die U-Haft habe er als eine Art Eremitendasein empfunden, sagte Tretzel.