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Prozess:13 Tote bei Flucht übers Mittelmeer - Schleuser kommen mit milden Strafen davon

Prozess gegen zwei mutmaßliche Schleuser und einen Helfer

Die Angeklagten Ammar R. (l-r), ein Dolmetscher, Muataz J. und Mahmod R. sitzen bei Prozessauftakt imLandgericht Traunstein.

(Foto: dpa)
  • Im Prozess um den Tod von 13 Flüchtlingen auf dem Mittelmeer hat das Landgericht Traunstein drei Schleuser zu Haft- beziehungsweise Bewährungsstrafen verurteilt.
  • Bei einer Überfahrt von der Türkei nach Griechenland war im September 2015 ein überladenes und unbeleuchtetes Schlauchboot nachts mit einem Frachter zusammengestoßen.

Zehntausende Flüchtlinge vertrauen sich kriminellen Schleusern an - in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch immer wieder enden insbesondere Fahrten über das Mittelmeer tödlich. Im September 2015 traf es 13 Menschen in einem völlig überladenen Schlauchboot. Die Schleuser, die diese Flüchtlinge übers Meer bringen wollten, sind nun vor dem Landgericht Traunstein verurteilt worden.

Der 27 Jahre alte Hauptangeklagte bekam vier Jahre Haft - die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre und sechs Monate gefordert. Für den Bootsführer verlangte die Anklage sechseinhalb Jahre Haft, das Gericht verurteilte ihn nun zu zweieinhalb Jahren. Den dritten einschlägig vorbestraften Angeklagten, der als eine Art Vermittler wirkte, verurteilte das Gericht unter Einbeziehung der früheren Strafe zu zwei Jahren auf Bewährung, von der Staatsanwaltschaft waren viereinhalb Jahre Gefängnis gefordert worden.

Die Schleuserfahrten hatten vom türkischen Izmir über das Mittelmeer nach Griechenland geführt. Bei einer der Passagen im September 2015 stieß das unbeleuchtete Schlauchboot mit den Flüchtlingen kurz vor der Insel Lesbos nachts mit einem 109 Meter langen türkischen Frachter zusammen. Der Staatsanwaltschaft zufolge waren mindestens 46 Menschen an Bord. 13 Menschen starben, unter den Opfern waren fünf Kinder - zwei werden bis heute vermisst.

Der Hauptangeklagte soll laut Anklage syrische Landsleute in der Türkei angesprochen und die lebensgefährlichen Bootsfahrten vermittelt haben. Der Bootsführer war selbst ein Flüchtling, der für die Übernahme des Ruders umsonst mitfahren konnte. Der dritte hielt Kontakt zu Familienangehörigen von Flüchtlingen in Deutschland.

Weil einer der mutmaßlichen Schleuser in einer Flüchtlingsunterkunft in Burghausen verhaftet wurde, landete der Fall beim Landgericht Traunstein. 39 Zeugen hatte das Schwurgericht geladen, 29 sind zum Prozess erschienen. Ihre Schilderungen waren teils so ergreifend, dass sogar die sonst äußerlich ungerührten Männer auf der Anklagebank ihre Gesichter in den Händen verbargen.

© SZ.de/dpa/infu

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