Kriminalfall Peggy Zweifel in den Akten an Belastung des Ulvi K.

16 Jahre danach hat S. nun in einer Vernehmung eingeräumt, den Leichnam von Peggy verscharrt zu haben. Mit dem Tod des Mädchens aber will er nichts zu tun haben. Vielmehr habe er das leblose Mädchen in einem Lichtenberger Bushäuschen "übernommen". Er will noch versucht haben, das Mädchen zu beatmen. Danach habe er es in eine rote Decke gewickelt, in den Kofferraum seines Autos gelegt und in Thüringen verscharrt. Dort, wo ein Pilzsammler 2016 Skelettteile fand.

Es gibt keine Bestätigung von der Polizei, dass es tatsächlich Ulvi K. ist, den S. belastet hat. Das bleibt also Spekulation. Man trifft aber niemanden im Umfeld dieses Falles, der Zweifel daran hegt. Schließlich haben die Ermittler mehrfach betont, dass sie gegen einen Mann ermitteln, gegen Manuel S. Würden sie gegen jenen, der von ihm als Mörder bezichtigt wird, normalerweise nicht auch ermitteln? Gegen Ulvi K. wäre dies sehr schwer. Er ist freigesprochen worden, in einem Wiederaufnahmeverfahren. Da sind die juristischen Hürden für ein weiteres Verfahren extrem hoch.

Fall Peggy Fall Peggy: Das Trauma von Lichtenberg
Oberfranken

Fall Peggy: Das Trauma von Lichtenberg

Die Ermittlungspanne ist eine peinliche Geschichte. Sie verdeckt aber nur kurz den Zustand der kleinen Heimatstadt des Mädchens - dort leidet man seit 15 Jahren unter dem Verschwinden des Kindes und den Folgen.   Von Olaf Przybilla

Wäre eine Belastung des Ulvi K. - gesetzt den Fall, sie existiert - aber auch plausibel? In den Akten finden sich da erhebliche Zweifel. Beide hatten 2001 zwar von sexuellen Erfahrungen miteinander berichtet. Zu dem Zeitpunkt, als das geschehen sein soll, waren beide noch Pubertierende. Als Erwachsene aber, das betonten beide, hätten sie nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. S. sprach schlecht über K., der genauso schlecht über S. Wäre es da auch nur im Ansatz nachvollziehbar, dass der eine mit seinem Auto an einem Bushäuschen anhält, um dort einen leblosen Körper vom anderen zu übernehmen, diesen wegzufahren, zu verscharren - und anschließend 17 Jahre lang zu schweigen?

Es gibt viele, die daran zweifeln. In Lichtenberg etwa, auf dem Schlossberg mit Blick über den herbstlich schönen Frankenwald, wo Stadtrat Norbert Rank das Vereinsheim aufgeschlossen hat, weil es ihn drängt, über den Fall zu sprechen. Früher hat Ulvi K. hier seinen Eltern beim Bedienen geholfen. Rank schüttelt den Kopf. "Ich bin erschüttert", sagt er, "für mich ist das kein Teilgeständnis, auf mich wirkt das wie ein Abkommen, um den Ulvi wieder in diese Sache reinzuziehen." Dass S. Peggys Leiche weggeschafft haben soll, das habe er schon 2001 gehört im Dorf.

Auch im nahen Münchberg schlägt Gudrun Rödel, Ulvi K.'s Betreuerin, die Hände vors Gesicht. Am helllichten Tag, sagt sie, solle da jemand eine Leiche übergeben habe, an einem Bushäuschen, wo sich Kinder zum Spielen verabreden? Allein, dass jemand auf so was komme, mache sie fassungslos. Mit Ulvi K. hat sie gesprochen dieser Tage. Der bekomme in seiner Einrichtung den neuen Wirbel sehr wohl mit. "Für ihn ist das ein Albtraum", sagt sie.

Am Waldenfelsplatz in Lichtenberg rührt Rudolf von Waldenfels in einer Teetasse. Als er erstmals vom Fall Peggy gelesen hat, lebte er noch in Berlin. Seit er nach Lichtenberg gezogen ist, verfolgt er den Fall. Allerdings eher aus der Zeitung, Waldenfels war nie einer, der sich als Zugezogener in der Geschichte exponieren wollte. Eines aber traue er sich gerade aus dieser Position heraus zu sagen: Er habe höchsten Respekt davor, wie sich viele Lichtenberger in all den Jahren gegen vorschnelle Urteile gestemmt hätten. Waldenfels ist Schriftsteller, da hat er ein Faible für abseitig klingende Geschichten. "Diese aber, in der die Lichtenberger nun seit 17 Jahren leben müssen, die ist zu verrückt", sagt er.

Kriminalität Chronologie eines rätselhaften Verbrechens

Fall Peggy

Chronologie eines rätselhaften Verbrechens

2001 verschwand die kleine Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule spurlos. Seitdem laufen die Ermittlungen - mit immer neuen Hinweisen. Eine Chronologie.