Bayern Kontrollierte Sprengung der Nürnberger Weltkriegsbombe erfolgreich

Feuerwehr-Fahrzeuge stehen auf einer Straße neben einem Gelände, auf dem eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurde.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist in Nürnberg gesprengt worden.
  • Die 250 Kilogramm schwere Bombe war am Vormittag bei Bauarbeiten gefunden worden, eine Entschärfung war nicht möglich.
  • Die Städte Nürnberg und Fürth hatten deshalb den Katastrophenfall ausgerufen; insgesamt 8000 Menschen mussten die Sperrzone verlassen.
  • Inzwischen sind Katastrophenalarm und Evakuierung aufgehoben.
Von Claudia Henzler und Uwe Ritzer, Nürnberg

Am späten Montagabend ist eine Fliegerbombe am Stadtrand von Nürnberg erfolgreich kontrolliert gesprengt worden. "Die Sprengung ist erfolgreich ausgelöst worden", bestätigte die Stadt Nürnberg gegen 23 Uhr auf Twitter. Vor Ort war keine laute Detonation, sondern nur eine leise Explosion zu hören.

Wenig später hieß es im nächsten Tweet, der Sprengmeister melde, dass die Sprengung die Bombe erfolgreich entschärft habe. "Auf den ersten Blick wenig Kollateralschäden zu sehen, Gebiet wird jetzt genauer untersucht."

Der 250 Kilogramm schwere Sprengkörper war bei Bauarbeiten entdeckt worden. Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg konnte nicht entschärft werden. Die Städte Nürnberg und Fürth hatten deshalb den Katastrophenfall ausgerufen, um alle Rettungskräste in Einsatzbereitschaft zu versetzen. Insgesamt 8000 Menschen mussten die Sperrzone verlassen, davon 5000 Anwohner. Eine Klinik im Umkreis der Fundstelle wurde ebenfalls evakuiert. Eine innerstädtische Autobahn war stundenlang vollständig gesperrt.

Etwa 20 Minuten nach der Sprengung wurde der Katastrophenalarm aufgehoben und das Evakuierungsgebiet freigegeben, sodass die Anwohner in ihre Häuser zurückkehren konnten. Auch die Straßensperren wurden nach und nach aufgehoben.

Ursprünglich hatten die Bergungskräfte gehofft, mit Hilfe eines Spezialgerätes die Bombe vor Ort entschärfen zu können, was allerdings misslang. "Wir haben jetzt Vollalarm für alle Einheiten", sagte Feuerwehrsprecher Horst Gillmeier kurz vor der Sprengung am Montagabend. Die Feuerwehr stellte sich demnach auf mehrere kleine Brände nach der Sprengung ein. Die Stadt wies per Twitter darauf hin, dass die Detonation im Stadtgebiet laut zu hören sein könne - und bat die Bürger darum, deshalb nicht gleich bei Polizei und Feuerwehr anzurufen. Offenbar hat sich dieser Hinweis als überflüssig erwiesen. Sie wies außerdem die Anwohner darauf hin, dass das Evakuierungsgebiet nach der Sprengung nicht gleich wieder betreten werden kann.

Der Sprengkörper war am Vormittag bei Bauarbeiten in einem Industriegebiet im Nürnberger Stadtteil Höfen unmittelbar an der Stadtgrenze zu Fürth entdeckt worden. Die Polizei sperrte die Fundstelle weiträumig ab; im Lauf des Nachmittags wurden die angrenzenden Gebiete vollständig geräumt, darunter das Fürther Wohngebiet Kalbsiedlung. Die Betroffenen befinden sich in Turnhallen, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden.

Eine Klinik mit 70 Patienten wurde ebenfalls vollständig geräumt. Die Kranken, darunter auch Intensivpatienten, wurden in Hospitäler der Region verteilt. Auch zahlreiche Straßen, darunter die Südwesttangente, eine wichtige innerstädtische Autobahn, und der Rhein-Main-Donau-Kanal wurden gesperrt. Im Berufsverkehr bildeten sich lange Staus auf den Straßen im weiten Umkreis der Fundstelle. Der Luftverkehr über Nürnberg ist zum Teil eingeschränkt. Polizei, Rettungsdienste und technische Hilfsorganisationen sind mit etwa 1000 Helfern vor Ort.

Nachdem sich die Sprengmeister außer Stande sahen, die Bombe vor Ort zu entschärfen, riefen die Städte Nürnberg und Fürth gegen 19.30 Uhr den Katastrophenfall aus, Experten begannen die kontrollierte Sprengung zu planen. Als hinderlich erwies sich dabei die "Pyramide", ein großes Hotelgebäude, dessen Fensterfronten bei einer Detonation zu bersten drohen.

Am Abend wurden Entlastungsgräben gezogen, Strohballen und Wassersäcke herangeschafft, welche die Druckwelle von der Pyramide fernhalten und das Glasbauwerk schützen sollten. Offenbar mit Erfolg: "Erste Kontrollen ergaben auf Nürnberger und Fürther Gebiet keine Schäden an Gebäuden, auch nicht an der Glas-Pyramide", bestätigte die Stadt auf Twitter. Gezündet wurde die Bombe aus mehreren Hundert Metern Entfernung.

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