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Niederbayern:Passauer bekommen Strafzettel über null Euro

Knöllchen-Bilanz 2012

Null Euro, stand auf den Strafzetteln - und der Hinweis, man möge sich künftig an die Regeln halten.

(Foto: Imago Stock&People)

Gut 100 Falschparker hatten die Knöllchen an der Windschutzscheibe - und glaubten erst einmal nicht an den Preis. Wohl, weil das Ansehen von Parkraumüberwachern so mies ist.

Kolumne von Johann Osel

Was sich ziemt im täglichen Miteinander, das lässt sich - wo auch sonst? - bei den Beatles studieren. Auf dem "Sgt. Pepper's"-Album vor 50 Jahren wurde "Lovely Rita" besungen, die reizende Rita ist Politesse. Angeblich wollte ja Paul McCartney der Knöllchenschreiberin eins auswischen mit dem Text, entstanden ist ein halbes Liebeslied.

Die Dame, die an der Parkuhr den Strafzettel ausfüllt, mag zwar recht soldatisch wirken ("a little like a military man"), wird aber dennoch zum Tee eingeladen, zum Essen auch noch samt viel Gelächter, nur daheim dann warten ihre zwei Schwestern auf dem Sofa.

Daran möge sich jeder orientieren, der über Politessen, und Politeure ebenso, sagen wir Parkraumüberwacher, schimpft, sie womöglich gar beschimpft. Der Job ist hart: Man braucht die Gemütsruhe eines buddhistischen Mönchs, die Wadenmuskeln eines Bergsteigers; und als Dank hat man ein Ansehen, das in einer Liga ist mit Drückerkolonnen, geringfügig besser als Taschendiebe und Sittenstrolche.

Deswegen lohnt der Blick nach Passau. Um die Weihnachtstage haben dort in der Altstadt gut 100 Parksünder Strafzettel an der Windschutzscheibe gehabt - Null-Euro-Strafzettel; inklusive Weihnachtsgruß und gutem Rutsch und der sanften Mahnung, künftig die Regeln einzuhalten.

Da das Verhältnis zwischen Parkraumüberwachern und Bürgern in der Stadt zuweilen ziemlich angespannt sein soll, glaubten viele Leute an Scherzbolde, sie hielten solche Milde am Jahresende für schier unmöglich. Wohl deshalb sah sich die Passauer Neue Presse nach den Feiertagen veranlasst, noch einmal nachzuforschen bei der Stadt. Ergebnis: Die Null-Euro-Knöllchen sind echt.

In Facebook-Gruppen ist der Stolz der Bürger auf ihre "Stadt mit Herz" riesig. Aber nicht nur. Mancher ärgert sich, just jetzt nicht falsch geparkt zu haben und fordert eine Gutschrift. Ein anderer rügt die Stadt dafür, "für so an Rotz" Personal abzustellen und "Steuergeld zu verprassen".

Wer aber derart negativ denkt, der pöbelt wahrscheinlich auch unschuldige Politessen im echten Leben an - anstatt sie zum Beispiel zum Tee zu bitten. Das freilich könnte in Passau künftig öfters vorkommen. Mal sehen, wie lang die versöhnliche Geste anhält. Oder, wie es einer nennt: der "Weihnachtsfrieden".

© SZ vom 29.12.2017/haeg/ebri

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