bedeckt München 20°

Strafzettel in New York:Die Falschparker von Kim Jong-un

Traffic in New York Traffic along Sixth Avenue in midtown in New York on Tuesday May 17 2016 PU

Viele Autos, wenige Parkplätze: eine Straße in New York.

(Foto: imago)

Die Diplomaten des Diktators parken in New York oft einfach im Halteverbot und kassieren Strafzettel - für mehr als 150 000 Dollar.

New York City kann für Autofahrer nervenaufreibend sein. Die Rotphasen dauern oft eine gefühlte Ewigkeit, Straßen sind verstopft und dann ist da noch die Sache mit der Parkerei. Nachdem endlich ein freier Platz gefunden ist, erblickt man doch wieder eines der vielen Schilder, die aufs Halteverbot hinweisen. Oder es steht ein Hydrant in der Nähe, der das Parken in vielen Fällen ebenfalls verbietet. Abhaken und weiter suchen, heißt es dann. Oder: Hinstellen und einen Strafzettel riskieren.

Diplomaten des von Diktator Kim Jong-un regierten Landes Nordkorea haben sich in der Vergangenheit wohl häufig für die zweite Variante entschieden. Wie der US-Fernsehsender NBC4 berichtet, schuldet die nordkoreanische UN-Vertretung der New Yorker Stadtverwaltung mehr als 156 000 Dollar wegen nicht bezahlter Knöllchen. Gut 1300 unbeglichene Tickets hat das Land laut Daten der New Yorker Finanzbehörde schon angehäuft. Die Forderungen datieren teilweise zurück bis in die Neunzigerjahre.

Unbezahlte Parktickets sind nicht nur ein nordkoreanisches Problem

Ein NBC-Reporter zeigt sich regelrecht empört über das Verhalten der Diplomaten. Auch, weil er bei Nordkoreas Machthaber, der die US-Regierung zuletzt wieder mit Raketentests provozierte, eine gewisse Doppelmoral erkennt. "Es ist kaum zu glauben", brüllt er in die Kamera. Während Nordkorea nukleare Warnschüsse abgebe, verweigere das Land die Bezahlung von Parktickets. Kein Geld für Knöllchen haben, so die Botschaft, aber ein Vermögen für Raketen ausgeben.

Die unbezahlten Parktickets sind allerdings nicht nur ein nordkoreanisches Problem. Auch andere UN-Staaten schulden der Stadt New York viel Geld fürs Falschparken. Insgesamt belaufen sich die Ausstände auf 16 Millionen Dollar, 400 000 Dollar entfallen allein auf China. Seit einer Gesetzesverschärfung im Jahr 2002 ist die Zahl der Vergehen immerhin rückläufig. Behörden können die Parklizenz von Diplomaten nun einziehen, wenn diese mindestens drei unbezahlte Tickets angehäuft haben. Seit 2002 summierten sich die neuen Bußgelder auf knapp 700 000 Dollar, vor der Gesetzesänderung sollen sie im Millionenbereich gelegen haben.

Eine verärgerte New Yorkerin, die selber vor kurzem ein teures Ticket bezahlen musste, fordert auf NBC dennoch ein schärferes Vorgehen - und zwar vom Präsidenten. "Trump muss was dagegen tun", sagt sie. "Schließlich beschwert er sich ja auch sonst über alles."

© SZ vom 22.09.2017/mahu

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite