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Nach Röttgen-Rücktritt:Bayern fordert Tempo bei der Energiewende

Ein Jahr nach dem Atomausstieg ist im Freistaat die Energiewende spürbar ins Stocken geraten. Ministerpräsident Seehofer und Wirtschaftsminister Zeil machen dafür den geschassten Umweltminister Röttgen verantwortlich - und verlangen von seinem Nachfolger zügig Regelungen für neue Kraftwerke.

Nach dem Wechsel an der Spitze des Bundesumweltministeriums hofft die Staatsregierung auf ein höheres Tempo bei der Energiewende auch im Freistaat. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte der Süddeutschen Zeitung: "Ich habe von Anfang an gesagt, mir geht das alles zu langsam."

Windräder in Oberfranken

Wirbel um die Windkraft im Landkreis.

(Foto: David Ebener/dpa)

Er begrüßte die Entlassung von Umweltminister Norbert Röttgen durch Kanzlerin Angela Merkel. Dieser Schritt sei "zwangsläufig" gewesen. Nachfolger Peter Altmaier (CDU) müsse nachholen, was Röttgen versäumt habe. Zeil sagte: "Ich kann mir gut vorstellen, dass Altmaier die Energiewende zielorientierter angeht als sein Vorgänger." Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, Altmaier stehe vor einer "Herkulesaufgabe".

Ein Jahr nachdem die Staatsregierung den Ausstieg aus der Atomkraft bis Ende 2022 beschlossen hat, ist im Freistaat die Energiewende spürbar ins Stocken geraten. Seehofer hatte Anfang der Woche als erster Spitzenpolitiker der Berliner Koalition offen Röttgens Kompetenz als Umweltminister infrage gestellt. Auch Zeil macht nun Röttgen für den Stillstand verantwortlich.

Mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent Atomstrom ist Bayern abhängiger von den Meilern als andere Bundesländer. Bis 2022 strebt Bayern einen Mix aus etwa 50 Prozent erneuerbaren Energien und 50 Prozent konventionell erzeugtem Strom an. Dazu müssten nach Auffassung der Staatsregierung etwa fünf moderne Gaskraftwerke errichtet werden.

Doch weder der Ausbau der Kraftwerke noch der Netze kommt wirklich voran. Weil die Energieversorger sogar drohen, weitere Altkraftwerke vom Netz zu nehmen, befürchtet die Bundesnetzagentur Engpässe bei der Stromversorgung.

Nun fordern Seehofer und Zeil Altmaier auf, rasch zu handeln. "Wir haben die Standorte für Kraftwerke, wir haben die Investoren, aber uns fehlen die Rahmenbedingungen. Auf Landesebene haben wir alles gemacht, um die Energiewende voranzutreiben", sagte Zeil.