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Modesport Wandern:Trend nach oben

Sein Bundhosen- und Wadlstrumpfimage hat das Wandern längst abgelegt. Inzwischen streben die Massen in die Natur. Die meisten Bergsteiger sind dabei Genussmenschen, die sich nicht stundenlang schinden möchten. Der Tourismus richtet sich darauf ein.

Es ist ein strahlend blauer Spätsommertag, die steile Wiese oberhalb der Staffelalm liegt im Sonnenglanz. Von überall her tönt das Glockengeläut des Jungviehs, unermüdlich malmend weiden die Rinder das an vielen Stellen taunasse Gras ab.

Wendelstein

Ein kontemplativer Bergausflug? Das war einmal. Viele Gipfel sind bei schönem Wetter völlig überlaufen. Erst recht, wenn eine Seilbahn hochführt, wie auf den Wendelstein.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Obwohl es erst halb elf ist, ziehen die Bergwanderer schon grüppchenweise den Serpentinenpfad zum Rabenkopf hoch. Der 1559 Meter hohe Voralpengipfel bei Kochel ist ein Aussichtsberg erster Klasse. Nach Westen liegen einem das Kochler Moor und Benediktbeuern zu Füßen. Nördlich dahinter schimmert der Starnberger See in der Sonne.

Im Süden ragen das Gipfelmeer von Karwendel und Wetterstein auf. Und im Nordosten thront die Benediktenwand. Der richtige Platz also zum Schauen und Genießen. Aber an diesem Tag herrscht so großes Gedränge auf dem kleinen, felsigen Rabenkopf-Gipfel, dass sich kaum ein Wanderer niederlässt. Schon nach wenigen Minuten zieht es die meisten abwärts zur Staffelalm.

Es ist gar nicht so lange her, dass der Rabenkopf einer der stilleren Gipfel der bayerischen Voralpen war. Doch inzwischen hat der Trendsport Bergsteigen solche Dimensionen angenommen, dass nicht mehr nur der Wendelstein, die Benediktenwand, der Hirschberg und andere Münchner Traditionsgipfel von langen Karawanen Wanderern heimgesucht werden. Sondern auch vormals sehr viel weniger bestiegene Berge.

"Egal ob Wandern, Bergsteigen oder Klettersteiggehen, alles was mit den Bergen zu tun hat, ist absolut in", sagt Georg Overs, der seit sechs Jahren den Tourismus am Tegernsee managt und zuvor lange Jahre Kurdirektor von Bad Tölz war. "Von Jahr zu Jahr zieht es mehr Menschen ins Gebirge." In Regionen wie dem Oberland oder dem Isarwinkel ist inzwischen mindestens jeder dritte Urlauber ein Wanderer oder Bergsteiger.

"Und bei den Ausflüglern aus München sind es natürlich noch sehr viele mehr", sagt Overs. Beim Deutschen Alpenverein (DAV) sieht man das nicht anders. "Der Trend zum Bergsport ist ungebrochen", sagt DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig. "Das sieht man allein daran, dass wir Jahr für Jahr um die fünf Prozent Mitgliederzuwachs haben." 939 000 Mitglieder zählt der DAV inzwischen, er ist längst der mitgliederstärkste Bergsteigerverein der Welt.