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Modellbau-Affäre:Haderthauer müsste beweisen, dass sie sich für "kleinere Brötchen" nicht zu schade ist

Nicht jeder in der Ingolstädter CSU hat sich gefreut über die Art, wie Haderthauer jetzt nach vorne preschte. Natürlich sei ihr Image beschädigt, sagt ein wichtiges Mitglied der Stadtratsfraktion. Bevor man sie als Landtagskandidatin nominiere, müsse Haderthauer beweisen, dass sie sich nicht zu schade sei, "kleinere Brötchen auf der Basis der Kommunalpolitik zu backen".

Keine ganz leichte Aufgabe, da ihr einige CSU-Stadträte nachsagen, sie habe während ihrer Zeit als Ministerin und Staatskanzleichefin etwas hochnäsig auf die Ingolstädter Stadtratskollegen runtergeschaut - wenn sie denn überhaupt mal an einer Stadtratssitzung teilgenommen hat. "Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr Präsenz gezeigt hätte", sagt ein Fraktionskollege, "dann wäre sie besser verankert, was ihr jetzt zugutekommen würde."

Vor allem an der Spitze der Ingolstädter CSU gibt es aber auch einige, die sich vorstellen können, Haderthauer eine neue Chance zu geben. Nicht nur der CSU-Kreisvorsitzende Hans Süßbauer, auch Rathaus-Fraktionschef Joachim Genosko hat "im Moment" keinen Zweifel, dass Haderthauer eine gute Abgeordnete für Ingolstadt sei. Und bei fast allen klingt Mitgefühl für die tief gefallene Parteikollegin durch. Letztlich werde es "eine Abwägungssache" sein, ob eine mögliche Kandidatur nach den Negativschlagzeilen ein Risiko darstelle oder nicht. Gegenspieler, die Haderthauer die Kandidatur streitig machen würden, sind derzeit nicht zu erkennen. Was nicht bedeutet, dass sich im Zweifel nicht jemand finden ließe. Ein paar Namen jüngerer Ingolstädter CSU-Mitglieder mit Ambitionen gibt es jedenfalls, etwa den von JU-Chef Markus Meyer. Oder Patricia Klein, die allerdings als zukünftige Fraktionschefin im Stadtrat feststeht.

"Keiner in der CSU vermisst sie"

In der Landtagsfraktion, in der sich Haderthauer zuletzt wieder öfter blicken ließ, wird ihr Beitrag stirnrunzelnd bewertet. Kein Taktgefühl, keine Demut, viel zu früh, typisch Haderthauer - so lautet die gängige Einschätzung. "Das war's", sagte ein Minister nach dem Strafbefehl. Und auch jetzt glaubt kaum jemand an ein Comeback im Kabinett - wann auch immer.

"Keiner in der CSU vermisst sie", auch das wird gesagt. Aber das stimmt nicht ganz. Zumindest Erwin Huber, der Haderthauers Karriere 2007 mit der Beförderung zur Generalsekretärin erst in Schwung gebracht hatte, glaubt eisern an ihre Vorzüge. Haderthauer sei wie kaum eine andere Frau in der Partei für höchste Ämter befähigt. "Politisch ist sie eine Leistungsträgerin, deren Kreativität, Kompetenz und Standfestigkeit der CSU und ihrer Zukunftsfähigkeit gut tut", sagt Huber: "Deshalb sollten wir für sie die Signale wieder auf freie Fahrt voraus stellen."

2008, als die CSU die absolute Mehrheit verloren hatte, wurde Haderthauer von Horst Seehofer völlig überraschend ins Kabinett berufen. "Ich hab' dich noch mal aus dem Sarg geholt", soll der Ministerpräsident gesagt haben. Eine zweite Auferstehung gilt in der CSU als undenkbar, auch wenn Haderthauer den Deckel nun selbst gelupft hat.

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Christine Haderthauer

Ihre Karriere in Bildern

Als Generalsekretärin hatte sie den Absturz der CSU mit zu verantworten, als Sozialministerin blieb sie frostig. Erst in der Staatskanzlei blühte Christine Haderthauer auf - bis sie über die Modellbau-Affäre stolperte. Eine Karriere in Bildern.