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Mitten in Bayern:Zum Impfen in den Supermarkt

Chips statt Impfstoff, Weltherrschaft statt Pandemie-Bekämpfung - die Verschwörungstheorien reißen nicht ab dieser Tage. Daraus haben sich die Betreiber eines Supermarkts einen Spaß gemacht. Seitdem geht es hoch her in Friedberg

Glosse von Maximilian Gerl

Ein Wunsch war zum Jahreswechsel bayernweit zu hören: Bitte, 2021 - werde anders als 2020! Mit dem Ergebnis, dass vieles im neuen Jahr blieb, wie man es aus dem alten kannte. Corona? Immer noch da. Lockdown? Verlängert. Diskussionen um die Lernplattform "Mebis"? O mei. Sogar beim "Gipfelzipfel" am Allgäuer Grünten, einer Holzinstallation von zweifelhaftem Ruhm, ist alles wie gewohnt, er wurde wieder abgesägt. Das fängt ja gut an!

Dass der Jahreswechsel indes anders und mit einem Schmunzeln gelingen kann, bewies ein Supermarkt im schwäbischen Friedberg. Dieser widmete sich auf seiner Facebook-Seite all jenen, die - kein Witz - glauben, Microsoft-Gründer Bill Gates lasse statt eines Corona-Impfstoffs einen Chip spritzen, um die Menschheit mittels 5-G-Funkwellen zu versklaven. Eine Weltverschwörung also, nur leider eine mit gewissen Nebenwirkungen. "Wir mussten feststellen, dass es bei einigen Impfchips der ersten Generation zu Beeinträchtigungen beim Einkaufen kommen kann", teilte der Supermarkt mit. Denn diese interagierten "gelegentlich mit unseren Warensicherungsanlagen" und lösten Fehlalarme aus. Bei Störungen könne der Hausarzt das Funkmodul des Chips auf Softwareversion 3.1 updaten; Tierärzte jedoch nicht, weil das die Krankenkasse nicht zahle. Als Entschuldigung erhielten Betroffene Einkaufsgutscheine im Wert von 25 Euro oder eine Microsoft-Guthabenkarte. Ob alle die Satire verstanden? Während offenbar in Telegram-Gruppen Verschwörungsgläubige aufriefen, den Markt zu boykottieren, zeigten sich auf Facebook viele Nutzer erfreut. Ein Kommentator verwies darauf, zum Glück noch "Elektronenröhren von meinen Impfungen in den 1950ern" zu besitzen, ein anderer, dass ein anderer Markt das Update bereits anbiete: "einfach den Arm in den Leergutautomaten stecken und Bon ausdrucken!"

Letztlich traf der Supermarkt den berühmten Nerv, der Beitrag ging viral. Tausende Reaktionen später wurde aus Friedberg darum ein zweiter ins Netz gestellt. Man müsse arbeiten und beantworte keine Medienanfragen, freue sich aber, so vielen Menschen eine kleine Freude bereitet zu haben. Vorsätze sind eben, was man draus macht - egal, wie es denn nun wird, dieses neue alte Jahr.

© SZ vom 11.01.2021
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