Mittelfranken:Der bislang gefährlichste Vorfall: Manipulation an Radmuttern

Der Täter beließ es nicht bei verschleierten Aktionen im Internet. An zwei Rechnern der Neustädter Rettungswache wurden per USB-Stick interne Daten und Passwörter gestohlen. Im Sommer 2016 verschwanden 40 Hausnotrufschlüssel, welche die Sanitäter im Ernstfall benötigen, um schnell in die Wohnung der Patienten zu gelangen. Dem Kreis-BRK blieb nichts anderes übrig, als die Schlösser der Betroffenen austauschen zu lassen. Den Gesamtschaden beziffert Engelbrecht inzwischen auf etwa 150 000 Euro.

Dann, im August vergangenen Jahres, der bislang gefährlichste Vorfall: An einem Rettungswagen des Neustädter Roten Kreuzes wurden in der Garage heimlich die Radmuttern gelockert, die Manipulation fiel dem Fahrer des Transporters erst auf dem Weg zum Einsatz auf. Einbruchspuren? Wie auch bei allen anderen Aktionen des Erpressers: Fehlanzeige. Im BRK-Team ist die Meinung dazu eindeutig: "Es ist definitiv einer von uns", sagt ein Mitarbeiter, der aus Angst, selbst ins Visier zu geraten, anonym bleiben möchte. Aus diesem Grund werde auch nur hinter vorgehaltener Hand "gegen den dubiosen Täter gewettert". Immerhin wisse man nicht, wer einem gegenübersitze, sagt ein anderer, "die Stimmung ist katastrophal".

Justiz und Polizei kommen bei den Ermittlungen nicht recht voran

Ralph Engelbrecht ist sich dessen bewusst. Wenn er über die Vorfälle spricht, fehlen ihm immer wieder die Worte. Er gestikuliert stattdessen, als ob er die flüchtigen Silben in der Luft fangen könnte. "Das größte Problem ist, dass ich meine Mitarbeiter nicht schützen kann", sagt er. "Jeder kann in mein Büro kommen und sagen, was ihm nicht passt", stellt er klar. Anonym Taten im Netz und in der Realität zu begehen, das sei aber "einfach nur feige".

Feige, aber effektiv - bei den Ermittlungen kommen Justiz und Polizei nicht recht voran: "Der Täter nutzt die Möglichkeiten, sich im Internet anonym zu bewegen", sagt Matthias Huber von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. Die dort angesiedelte Zentralstelle Cybercrime Bayern betreut den Fall seit Ende 2015. Bislang ohne Erfolg. Im vergangenen Sommer hatten die Polizeibeamten der Sonderkommission "Aischgrund" einen möglichen Täter im Visier, doch bei einer Hausdurchsuchung habe sich "der Anfangsverdacht nicht bestätigt", sagt Huber.

So mancher seiner Mitarbeiter könne nicht mehr nachvollziehen, warum bei einem Terrorverdächtigen binnen weniger Wochen sämtliche Internetkontakte ausgewertet werden können, bei diesem Fall jedoch seit Jahren kein Ergebnis vorliege, sagt Engelbrecht. "Was die Strafgesetzordnung vorgibt, wird auch gemacht", hält Oberstaatsanwalt Huber dagegen. Den oder die Gesuchten kümmert das indes wenig: "Vor der Cybercrime brauchen wir scheinbar keine Angst zu haben", steht in einer Mail an Ralph Engelbrecht.

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