Memmingen Zukunft des Allgäu Airport steht auf der Kippe

Bürger protestieren gegen weitere Investitionen in den Allgäu Airport.

(Foto: dpa)
  • In Memmingen und im Landkreis Unterallgäu regt sich Widerstand gegen die Pläne, dem klammen Allgäu Airport mit Grundstückskäufen zu helfen.
  • Die Menschen haben zahlreiche Unterschriften für Bürgerbegehren gesammelt.
  • Es gebe in der Region dringlichere Probleme, als einen Flughafen zu unterstützen, dessen Zukunft unklar sei.
Von Stefan Mayr, Memmingen

Die Zukunft des Allgäu Airports in Memmingen steht nach wie vor auf der Kippe. Zwar haben etliche benachbarte Kommunen und Landkreise zuletzt beschlossen, dem klammen Flughafen mit Grundstückskäufen im Wert von knapp sieben Millionen Euro unter die Arme zu greifen. Doch in der Stadt Memmingen und im Landkreis Unterallgäu - diese wären die Käufer mit den größten Anteilen - regt sich Widerstand in Form von Bürgerbegehren. Sollten diese Erfolg haben und die Beteiligung der Stadt sowie des Kreises verhindern, dann wäre das Rettungskonzept des drittgrößten bayerischen Flughafens wohl gescheitert.

Im Memminger Rathaus haben Bürger in der vergangenen Woche bereits eine Liste mit 2400 Unterschriften übergeben. In Mindelheim will die Initiative mit dem sperrigen Namen "Bündnis für verantwortlichen Umgang mit Steuergeldern - kein Geld für Flughafengrundstücke" noch in dieser Woche etwa 6000 Unterschriften im Landratsamt Unterallgäu vorbeibringen. Ziel beider Initiativen: Sie wollen verhindern, dass Stadt und Kreis wie geplant Millionenbeträge in Flughafengrundstücke investieren, deren Wert ihrer Meinung nach noch gar nicht geklärt ist.

Flughafen Memmingen Wie der Flughafen Memmingen eine Zukunft bekommen soll
Allgäu

Wie der Flughafen Memmingen eine Zukunft bekommen soll

Neue Perspektive für den Flughafen in Memmingen? Das Unternehmen soll in drei Firmen aufgespalten, zwei davon sollen dann mit Grundstücken handeln. Doch es gibt harsche Kritik an dem Rettungskonzept.

Der Flughafen will 8,2 Millionen Euro einsammeln

"Wir denken, dass die Stadt dringendere Probleme hat", sagt Florian Frey aus Memmingen. "Bei den Schulen, Krankenhäusern und anderen Dingen der Daseinsvorsorge fehlt das Geld", kritisiert er, "aber beim Flughafen werden gönnerhaft private Investoren unterstützt, die offenbar nicht mehr weiter wollen".

Insgesamt will der Airport 8,2 Millionen Euro von den Städten und Kreisen einsammeln. Bislang gibt es folgende Zusagen: Die Landkreise Unterallgäu (2,45 Millionen), Oberallgäu (1,37), Ostallgäu (0,72) sowie die Städte Memmingen (2,15), Kempten (0,65) und Kaufbeuren (0,25) wollen insgesamt 6,59 Millionen Euro zahlen. Die Kreise Neu-Ulm und Lindau wollen sich nach der Sommerpause entscheiden.

Memmingen Tendenz geht zur breiteren Startbahn
Prozess um Allgäu Airport

Tendenz geht zur breiteren Startbahn

Darf der Memminger Flughafen ausgebaut werden? Nein, finden Gemeinden, Bürger und der Bund Naturschutz und klagen. Doch im Prozess zeichnet sich ab: Das Gericht wird den Ausbau wohl bestätigen - wahrscheinlich aber nicht in allen Punkten.   Von Stefan Mayr

Fliegerhorst soll ausgebaut werden

Die Unterstützung der Allgäuer Politik hatte die Staatsregierung zur Bedingung gemacht, um ihrerseits weitere 2,2 Millionen Euro locker zu machen. Zudem wollen die 80 privaten Gesellschafter des Flugplatzes ihre Einlagen um weitere 3,5 Millionen Euro erhöhen. Mit dem Geld soll der ehemalige Bundeswehr-Fliegerhorst ausgebaut werden, um ihn wettbewerbsfähig zu machen. Bislang macht er Verluste in Millionenhöhe, Ende 2014 drohte kurzfristig sogar die Insolvenz.

Es sei nicht zu verantworten, so steht es auf den verteilten Unterschriftenlisten, dass mit Steuergeld Flächen zum Preis von 50 Euro pro Quadratmeter gekauft werden, welche die Besitzer vor zehn Jahren für 1,50 Euro gekauft haben und bislang aber nicht vermarkten konnten. Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid sieht das anders: "Der Flughafen ist in der Region angekommen", lobt er das Engagement der Städte und Kreise. Es sei einmalig und vorbildlich, dass private Unternehmen derart viel Geld in die öffentliche Infrastruktur investieren.