Kunstdetektive:Cranach oder nicht?

Kunstdetektive: Dieses Christus-Gemälde stammt vielleicht von Lucas Cranach dem Jüngeren. Es wird derzeit vom Landesamt für Denkmalpflege untersucht und hing bisher in der Kirche St. Salvator in Bettbrunn.

Dieses Christus-Gemälde stammt vielleicht von Lucas Cranach dem Jüngeren. Es wird derzeit vom Landesamt für Denkmalpflege untersucht und hing bisher in der Kirche St. Salvator in Bettbrunn.

(Foto: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)

Bayerns Denkmalpfleger glauben, ein unbekanntes Meisterwerk gefunden zu haben: ein Christus-Gemälde, das möglicherweise von Lucas Cranach dem Jüngeren stammt. Was es heißt, wenn sie recht haben.

Von Susanne Hermanski

Bettbrunn? Nie gehört. Lucas Cranach? Aber ja! Wer nicht gerade regelmäßig auf Wallfahrt nach Bettbrunn geht, dem dürfte das Pfarrdorf im Köschinger Forst kein Begriff sein. Es ist längst eingemeindet in den Marktflecken Kösching im oberbayerischen Landkreis Eichstätt, nordöstlich von Ingolstadt, bei der letzten Zählung im Sommer 2021 lebten dort gerade mal 263 Einwohner.

Und mitten unter ihnen, in der Kirche St. Salvator, die 2025 "900 Jahre Wallfahrt" feiern wird, hängt seit einer halben Ewigkeit ein gut 450 Jahre altes Tafelbild. Doch erst jetzt wird diesem "Salvator Mundi" größere Aufmerksamkeit zuteil. Das mehrfach nicht eben besonders liebevoll restaurierte Gemälde befindet sich in diesen Wochen in der Obhut des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Dessen Fachfrauen untersuchen das Christusbild auf einen interessanten Verdacht. Sie glauben, das Gemälde könnte von Lucas Cranch dem Jüngeren (1515 bis 1586) stammen. Die Expertinnen suchen mit neuester Technik nach Beweisen für ihre These.

"L. C." steht in feinen Lettern über dem Scheitel dieses Heilands. Dieses Monogramm könnte als Signatur "Lucas Cranach" gedeutet werden und gilt als wichtiger Hinweis. Trotzdem kann aktuell noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, ob es sich bei dem Gemälde von 1570 tatsächlich um einen "echten" Cranach handelt. Die malerische Qualität sei "außerordentlich" heißt es vonseiten der Denkmalschützer, zu deren Expertise - in der öffentlichen Wahrnehmung weniger präsent - auch die Bildende Kunst vergangener Jahrhunderte, besonders in Kirchen und Schlössern gehört.

Deshalb wollen Restauratorinnen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege nun das Geheimnis um die Urheberschaft lüften. Ausführliche kunsttechnologische und kunstwissenschaftliche Untersuchungen sind dazu erforderlich. Darüber hinaus werden die Expertinnen ein Maßnahmenkonzept zur Konservierung und gegebenenfalls Restaurierung erarbeiten. Es soll auch erforscht werden, wie das Kunstwerk künftig am besten aufbewahrt wird, damit es der Nachwelt möglichst lang erhalten bleibt.

"Wir sind gespannt, ob das Cranach-Gesamtwerk bald um ein Kunstwerk reicher ist. Dank modernster Technologien, die uns heute zur Verfügung stehen, können wir mit UV-, Röntgen- und Infrarotuntersuchungen vielleicht bald die Kunstgeschichte um ein Kapitel ergänzen", sagt Generalkonservator Mathias Pfeil, der Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Dass das Gemälde gegebenenfalls nicht mehr nach Bettbrunn zurückkehren würde, steht aber nicht zu befürchten. So wertvoll ist ein Opus von Cranach dem Jüngeren, der immer noch ein wenig im Schatten seines Vaters, des engen Freundes von Martin Luther, dann auch wieder nicht. Die Restauratoren sprechen von einem Marktpreis im mittleren fünfstelligen Bereich für das Werk in Kirchenbesitz, das ohnehin nicht zum Verkauf steht. Unter die Pilger aber, die sich im Oktober immer in Richtung St. Salvator bewegen, könnten sich dann künftig auch ein paar besonders neugierige Kunstsinnige mischen.

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