Bildung:Reserve sitzt im Lehrerzimmer

Lesezeit: 2 min

Eine Umfrage unter Gymnasiallehrern zeigt, dass es eine einfache Lösung für den Lehrermangel gibt.

Von Elke Richter und Christof Rührmair, München

Besprechungen, Konzepte und Organisationskram: Der sich abzeichnende Lehrkräftemangel an Bayerns Gymnasien könnte in der Theorie durch das Aufstocken von Teilzeitstellen gemildert werden - doch in der Praxis schrecken unterrichtsferne Zusatzaufgaben viele in Teilzeit arbeitende Menschen davon ab. Dies hat eine Umfrage des Bayerischen Philologenverbands (BPV) ergeben, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Verband, der Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen vertritt, fordert deshalb mehr Unterstützungskräfte an den Schulen und eine deutliche Entlastung der Lehrkräfte von außerunterrichtlichen Tätigkeiten.

"In den Lehrerzimmern schlummert eine "stille Reserve" an Lehrpersonal", erläuterte Philologenchef Michael Schwägerl. "Es arbeitet in Teilzeit und wäre unter den richtigen Bedingungen bereit, Stunden aufzustocken." Doch weit über die Hälfte von fast 5000 Lehrkräften habe in einer verbandsinternen Umfrage angegeben, dass zusätzliche Organisations- und Verwaltungsaufgaben sowie eine Vielzahl schulischer Termine außerhalb des Unterrichts sie davon abhalte. Dazu kämen Vertretungen und der Korrekturaufwand, auch aufgrund nachgeholter Leistungsnachweise. "Beides hat im vergangenen Schuljahr aufgrund von häufigen und lang andauernden Fehlzeiten deutlich zugenommen", sagte Schwägerl.

Mit Blick auf die Planbarkeit und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hingegen habe sich an den Schulen bereits vieles getan. "Klarer könnte das Ergebnis nicht sein: Die Kolleginnen und Kollegen wollen unterrichten und möchten dafür ausreichend Zeit haben", sagte Schwägerl. Jedoch: "Zusätzliche Projekte an den Schulen, geforderte Konzepte, die externe Evaluation, Fachsitzungen, Schulveranstaltungen, Dienstbesprechungen - je mehr gesellschaftliche und bildungspolitische Anliegen an die Schulen herangetragen werden, desto mehr gerät das Kerngeschäft des Unterrichtens in den Hintergrund."

An den Grund-, Mittel- und Förderschulen herrscht im Freistaat seit längerem ein eklatanter Mangel an Lehrkräften. Gerade erst löste ein Schreiben des Kultusministeriums Aufregung aus, wonach diese Schulen nach den Ferien Unterrichtsangebote streichen müssen, um ausreichend Pädagogen als Klassenleiter zu haben. Das Kultusministerium in München spricht offiziell nur von möglichen "punktuellen Einschränkungen bei Wahl- und Neigungsangeboten". Die Lehrerverbände aber befürchten Schlimmeres wie deutlich größere Klassen oder Studenten als Klassenleiter.

Nach Einschätzung des BPV droht ein deutlicher Lehrermangel künftig auch den Gymnasien: Nachdem für das neue Schuljahr mehr als 1000 Pädagogen angestellt wurden, seien die Wartelisten nun leer. Die detaillierten Ergebnisse der Mitgliederumfrage will der BPV Anfang September präsentieren.

Das Kultusministerium kündigte an, gemeinsam mit dem Verband prüfen zu wollen, "wie Lehrkräfte auch durch Entlastung im Verwaltungsbereich dazu motiviert werden können, ihr Teilzeitmaß anzupassen". Grundsätzlich sei man bemüht, Verwaltungsaufwand bei Schulleitungen und Lehrern zu reduzieren. Doch viele der benannten Aufgaben könnten nur von Lehrkräften erledigt werden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB