Mord aus Heimtücke:"Spontan zugedrückt"

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Rentner fühlt sich durch die vielen Umzüge seiner Frau überfordert und erwürgt sie in ihrem Bett.

Von sal, München/Weilheim

Was in ihm vorgegangen ist am Vormittag des 5. Februar vergangenen Jahres wisse er bis heute nicht, sagt Andreas W. Der 67-jährige Rentner erwürgte an jenem Tag seine Frau in ihrem Bett mit bloßen Händen, stülpte danach noch einen Müllsack über ihren Kopf und knotete ihn zu. Anschließend hatte W. erfolglos versucht, sich das Leben zu nehmen. Dann alarmierte er die Polizei. "Dieser Fall ist wirklich eine Tragödie", sagt seine Verteidigerin an diesem Freitag vor einem Schwurgericht am Landgericht München II. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn Anklage wegen Mordes aus Heimtücke erhoben.

Am Abend des 4. Februar 2021 hatten Andreas W. und seine Frau einen Mietaufhebungsvertrag für ihre damalige Wohnung in Eberfing (Landkreis Weilheim-Schongau) unterschrieben. Als sie von dem Termin bei ihrer Vermieterin zurück waren, soll es deshalb zu einem heftigen Streit gekommen sein. Andreas W. wollte vorerst in der Wohnung in der Eberfing bleiben. In den Jahren zuvor soll seine Frau ihn nämlich "mindestens" zehn Mal zu einem Umzug gedrängt haben, weil sie die "jeweiligen Wohnverhältnisse als unbefriedigend empfand", wie es in der Anklage der Staatsanwaltschaft heißt. Angesichts des neuerlichen Umzugs fühlte sich Andreas W. angeblich überfordert.

Als der 67-Jährige am Morgen jenes 5. Februar aufwachte, ging er in das Schlafzimmer seiner Frau. Er habe sie "sanft geweckt", berichtet W. Richter Thomas Bott. An jenem Tag hätten sich er und seine Frau eine andere Wohnung in Ismaning ansehen wollen. "Komm' wir müssen weg", habe er zu seiner Frau gesagt. "Lass mich in Frieden" habe sie in "keifenden Ton" erwidert. "Dann bin ich durchgedreht", erklärt Andreas W. "Ich hab spontan zugedrückt."

W. wirkt bei seiner Vernehmung durch den Vorsitzenden Richter völlig gefasst und sagt, was er seiner Frau antat, sei ihm erst in dem Augenblick bewusst geworden, als er ein "Knacken gehört" habe. Durch die Strangulation war es zu Frakturen im Kehlkopf gekommen. "Der schrille Schrei", mit dem sie ihn angefahren habe, "muss etwas in mir ausgelöst haben", sagt Andreas W. Der Prozess wird fortgesetzt.

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