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Konjunktur:Industrie in der Rezession

Wirtschaftsverband sieht Bayern weiter im Abschwung

Die Wirtschaft befindet sich weiter im Abschwung. Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) ihre Wachstumsprognose für den Freistaat nach unten korrigiert: Statt ursprünglich 0,9 Prozent werde das Bruttoinlandsprodukt heuer wohl nur um 0,7 Prozent zulegen, teilte der Verband am Montag mit. "Eine Besserung ist nicht in Sicht, vielmehr müssen wir uns auf weiterhin schwierige Zeiten in der Wirtschaft einstellen", sagte VBW-Präsident Wolfram Hatz. Besonders angespannt ist demnach die Lage in der Industrie, sie stecke "in einer echten Rezession". Unter anderem der Produktionseinbruch im Autobau mache Herstellern und Zulieferern zu schaffen. Dadurch rutschten immer mehr Industriebranchen in den Minusbereich.

Ursprünglich hatte die VBW für dieses Jahr ein Wachstum von 1,5 Prozent vorhergesagt. Schon im Mai sah sich der Dachverband der bayerischen Arbeitgeber zu einer deutlichen Korrektur genötigt. Denn die Industrie steht hierzulande seit Längerem unter Druck. So wandelt sich unter anderem die Mobilität, weg vom Verbrenner hin zu alternativen Antrieben wie dem Elektromotor. Zudem stagniert der Welthandel; internationale Krisen und Herausforderungen wie der Brexit lösen Unsicherheit aus. Bayerns Industrieproduktion habe im dritten Quartal 2019 um rund drei Viertel unter dem Vorjahresniveau gelegen, hieß es am Montag von der VBW. Auch deshalb sei der hauseigene VBW-Index - eine alle sechs Monate erhobene Konjunkturprognose - auf den niedrigsten Stand seit neuneinhalb Jahren gefallen. Damals hatte die Finanzkrise die Wirtschaft fest im Griff. Der Wert liegt nun bei 99 auf der bei 200 endenden Skala. Allerdings ist die Lage nicht in allen Branchen so schlecht wie in der Industrie. Das Baugewerbe etwa boomt weiter. Auch Händler machten zuletzt gute Geschäfte. Um die Industrie zu stärken, fordert die VBW unter anderem eine Senkung der Strom- und Unternehmenssteuern. Die "Tarifparteien" seien zudem in der Pflicht, mehr betriebliche Flexibilität zu ermöglichen. Die nächste Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie steht 2020 an.

Überraschend vermeldete das statistische Landesamt am Montag, dass die bayerischen Exporte im September gestiegen seien: nämlich um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf 16,2 Milliarden Euro. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) sagte, das zeige, dass Schwarzmalerei nicht angebracht sei. Die VBW äußerte sich zurückhaltender. Ein Teil des Zuwachses lasse sich auf Ausgleichseffekte zurückführen, sagte VBW-Geschäftsführer Bertram Brossardt: "Die Trendaussage bleibt bestehen."