Kloster Ettal Pater wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht

Der Angeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts in München.

(Foto: dpa)
  • Fünf Jahre nach Bekanntwerden von Gewaltexzessen im oberbayerischen Kloster Ettal muss sich nun ein Pater wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten.
  • In seiner Erklärung räumt er ein, dass er "nicht die nötige Distanz gewahrt habe".
  • Den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs weist er aber zurück.
Von Heiner Effern

Warum der Pater angeklagt ist

Der Pater des oberbayerischen Klosters Ettal muss sich seit diesem Donnerstag wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Schülern vor Gericht verantworten. Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft dem 44-Jährigen versuchten sexuellen Missbrauch von zwei weiteren Jungen vor.

Zu Beginn des Prozesses am Münchner Landgericht wird die Anklage verlesen: Der Mönch soll sich zwischen 2001 und 2005 wiederholt an zwei Schülern vergangen haben. Einen zur Tatzeit 13-Jährigen soll er bei mehreren Gelegenheiten am Penis gestreichelt haben, während dieser schlief. Der Junge soll durch die Übergriffe wachgeworden sein. Einen anderen Schüler soll sich der Angeklagte auf den Schoß gesetzt und ebenfalls im Intimbereich gestreichelt haben und sich daran sexuell erregt haben. Der Anklage zufolge kam es zu mindestens zwanzig Vorfällen dieser Art. Der frühere Religionslehrer soll sich auch anderen Jungen auf ähnliche Weise genähert haben, als die Kinder sich wehrten, habe er aber von ihnen abgelassen. Der Mönch war als Erzieher im Klosterinternat beschäftigt.

Wie sich der Pater verteidigt

Dann erklärt sich der frühere Religionslehrer selbst vor Gericht. Er erzählt seine Biografie nach, beschreibt Tagesablauf und seine Aufgaben als Präfekt und Religionslehrer im Klosterinternat. Er habe sich bei den Siebtklässlern als Vater und Mutter gefühlt, beschreibt Pater Georg sein Verhältnis zu den Kindern. Dann räumt er ein, dass "ich nicht immer die nötige Distanz bewahrt habe". Das sei ihm aber erst im Jahr 2010 bewusst geworden. Dass er die Jungen auf seinen Schoß gezogen oder gestreichelt habe, sei "zu keinem Zeitpunkt sexuell motiviert" gewesen.

Auch andere konkrete Vorwürfe aus der Anklage weist er zurück: Der Schüler sei weder allein bei ihm in seinem Zimmer eingeschlafen, noch habe er bei einer Hüttenübernachtung neben ihm geschlafen. Der 44-Jährige trägt an diesem Vormittag einen grauen Anzug mit weißem Hemd und gestreifter Krawatte. Er spricht sehr lange vor der Jugendschutzkammer des Münchner Landgerichts.

Sieben Verhandlungstage sind für den Prozess angesetzt, an denen zahlreiche Zeugen und Sachverständige gehört werden sollen. Das Urteil wird für Ende März erwartet.

Konsequenzen für die Internatsschule

Die Aufdeckung einer ganzen Serie von Missbrauchsskandalen und Misshandlungen in Internatsschulen löste eine Diskussion über die Erziehungsmethoden in Heimen aus.

Für das Kloster Ettal arbeitete ein Sonderermittler die jahrzehntelangen Demütigungen von Schülern auf. Auf 180 Seiten beschrieb er serienweise körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch von rund 15 Mönchen an mehr als 100 Kindern. Die meisten Fälle waren aber bereits verjährt. Zwei Ordensleute kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Das Internat hat die Konsequenzen zu spüren bekommen: Für das laufende Schuljahr gab es bis zum Spätsommer keine einzige Neuanmeldung, erst im Herbst seien noch zwei oder drei Jungen für das Internat angemeldet worden.

Kein einziger Fünftklässler

Hinter den Mauern wurden jahrzehntelang Jungen missbraucht, nun sinkt im Internat in Ettal die Zahl der Anmeldungen. Anderen Klosterschulen geht es ähnlich. Von Heiner Effern mehr ...

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes war die Formulierung missverständlich. Die Zahl der Anmeldungen bezieht sich auf das Internat, nicht auf die Schule.