Würzburg Kita-Berater nach Kinderporno-Verdacht festgenommen

  • Wegen des Verdachts der Herstellung und der Verbreitung von Kinderpornografie haben Ermittler in Würzburg zunächst zwei Tatverdächtige vorläufig festgenommen.
  • Einer der beiden, der eine Leitungsfunktion in einer Kindertagesstätte inne hat, wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.
  • Der Hauptverdächtige arbeitete als Logopäde mit Kindern und war in dieser Tagesstätte unterstützend und beratend tätig.
  • Sichergestellt wurden zuvor eine dreistellige Anzahl von Bild- und Videodateien. Polizisten durchsuchten mehrere Objekte in der unterfränkischen Stadt, darunter war auch die Kindertagesstätte im Stadtteil Heuchelhof.
Von Olaf Przybilla, Würzburg

Wegen des Verdachts der Herstellung und Verbreitung kinderpornografischer Schriften hat die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg in Würzburg mehrere Objekte durchsucht. Dabei wurden zunächst zwei miteinander liierte Verdächtige vorläufig festgenommen. Gegen einen der beiden Verdächtigen beantragte die Generalstaatsanwaltschaft Haftbefehl. Sichergestellt wurden zuvor eine dreistellige Anzahl von Bild- und Videodateien. Diese wurden im Darknet verbreitet, weshalb die in Bamberg beheimatete Zentralstelle Cybercrime Bayern für die Ermittlungen verantwortlich ist. Durchsucht wurde bei dem Großeinsatz auch eine Kindertagesstätte im Würzburger Stadtteil Heuchelhof.

Einer der beiden zunächst festgenommenen Männer habe einen deutlichen Bezug zu dieser Einrichtung, erklärte Staatsanwalt Christian Schorr. Er soll dort eine Leitungsfunktion innehaben, heißt es aus Ermittlerkreisen. Der 36-Jährige wurde aber im Lauf des Donnerstags auf freien Fuß gesetzt. Ob sich überhaupt ein Tatverdacht gegen ihn erhärten lasse, sei nicht klar, sagte Schorr. Womöglich habe er von dem von einem gemeinsamen Internetanschluss verbreiteten Material gar nichts gewusst. Ob mögliche Opfer aus der durchsuchten Kindertagesstätte stammen, sei ebenfalls nicht klar. Ausgeschlossen ist es aber nicht: Nach SZ-Informationen war der Hauptverdächtige, ein 37-jähriger Logopäde aus Würzburg, in dieser Tagesstätte unterstützend und beratend tätig.

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Über die Zahl möglicher Opfer können die Ermittler bislang keine gesicherten Angaben machen. Auf dem sichergestellten Videomaterial sind ausschließlich männliche, sehr junge Opfer zu sehen. An ihnen werden "sexuelle Handlungen vorgenommen", sagte Staatsanwalt Schorr. Die Ermittler schließen nicht aus, dass sich das zu sehende Geschehen womöglich über Jahre hingezogen haben könnte.

Anhand des Materials sei allerdings nur schwer festzustellen, wo und wann es hergestellt worden ist und wer daran beteiligt war. Deshalb habe sich der Erstzugriff zunächst sicherheitshalber gegen zwei in Frage kommende Personen gerichtet. Inzwischen sei eine Vielzahl "möglicher Kontaktpunkte mit Kindern" überprüft worden. Dabei war man zunächst auch auf die Kindertagesstätte auf dem Würzburger Heuchelhof gestoßen. Dort standen am Donnerstagmorgen vorsorglich Beamte des Polizeipräsidiums Unterfranken als Ansprechpartner für Eltern und das Personal bereit.

Wie aus Ermittlerkreisen zu erfahren war, sollen die beiden Verdächtigen ein Paar sein. Der Hauptverdächtige, gebürtig aus Mecklenburg-Vorpommern, arbeitet in einer Würzburger Praxis für Logopädie und Psychomotoriktherapie. Die Praxis mit zwei Sitzen bietet Trainingsmaßnahmen für Kinder in Sprach- oder Bewegungsentwicklung an. Nach eigenen Angaben sei es Ziel, Kinder "ganzheitlich zu betrachten". Vor allem an Kinder mit Konzentrationsschwächen, Wahrnehmungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten richten sich die Angebote. Der nun hauptverdächtige Mitarbeiter bietet auch Einzeltherapien an. Von der Praxis empfohlen werden die Kurse für Kinder von zwei Jahren an bis zum Grundschulalter. Für ihr Engagement wurde die Praxis vor drei Jahren mit einem Unternehmer-Preis ausgezeichnet.

Ob die sichergestellten Videos etwas mit der Praxis zu tun haben, ist nicht klar. Man stehe erst am Anfang der Ermittlungen, sagte Staatsanwalt Schorr. Aufgrund mehrerer möglicher Orte, an denen der 37-Jährige Kontakt zu Kindern gehabt hat, seien die Ermittlungen sehr umfangreich. Insgesamt wurden zehn Objekte durchsucht. Die Praxis war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Hauptverdächtige referiert seit Jahren in Kindergärten und bildet zudem Pädagogen fort. Gemeinsam mit seinem Partner bot er auch Kinderturnen in einer Halle eines Studentenwohnheims an. Gegen seinen Partner, einen 36-jährigen Erzieher und Musiktherapeuten, hat sich ein dringender Tatverdacht zunächst nicht bestätigt. Die integrative Kindertagesstätte, in der er tätig ist, besuchen 48 Kinder mit und ohne Behinderung. Aufgrund der Ermittlungen richtete sich am Donnerstag viel Aufmerksamkeit auch auf diese Einrichtung. Man wolle zum Schutz der Kinder "einen möglichst normalen Tagesablauf gewährleisten", sagte eine Mitarbeiterin. Die Trägereinrichtung, eine evangelische Kirchengemeinde, äußerte sich nicht. Die Würzburger Dekanin Edda Weise erklärte, die Nachrichten hätten die Kirche "schockiert und sehr bestürzt".

Bei der groß angelegten Durchsuchungsaktion waren am Mittwoch die Kriminalpolizei, ein Spezialeinsatzkommando, Beamte des Bundeskriminalamtes sowie Beamte aus Cloppenburg/Vechta im Einsatz. Letztere sollen mögliche Spuren oder Übereinstimmungen zu einem Fall in Niedersachsen abklären.

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