Joachim Herrmann und der Staatstrojaner:Der graue Sheriff

Die Suspendierung des Rosenheimer Polizeichefs kam gerade noch rechtzeitig, um den Vorwurf entgegenzutreten, er verschleppe die Probleme. Auch jetzt hat Herrmann fürs Erste die Kurve gekriegt. Die bisherigen Krisen haben ihn stärker gemacht. Er ist angekommen in seinem Ressort. Anfangs litt er darunter, bloß Nachlassverwalter von Günther Beckstein sein zu sollen, der es als Landesinnenminister zu bundesweiter Prominenz geschafft hatte. Beckstein war der schwarze Sheriff, Herrmann der Graue.

Wenn Seehofer ihm jetzt zur Seite springt, hat das auch damit zu tun, dass Herrmann schon allein für das Gefühlsleben seiner Partei einer der wichtigsten Männer ist. Seehofers Sprunghaftigkeit setzt Herrmann Beständigkeit entgegen. Und er gefällt sich in der Rolle, notfalls auch der letzte wirklich Konservative in seiner Partei zu sein, der schwarz-grünen Gedankenspielen genauso wenig abgewinnen kann.

Als Karl-Theodor zu Guttenberg über die Plagiatsaffäre stolperte und in Berlin als Verteidigungsminister zurücktrat, wollte Seehofer Herrmann ins Bundeskabinett schicken. Doch Herrmann kniff. Das trägt Seehofer ihm nach. Aber er holt ihn gerne, wenn Not am Mann ist. So schwierige Parteitags-Debatten wie im vergangenen Jahr zur Frauenquote oder diesmal zu Europa lässt er Herrmann mit seiner ausgleichenden Art managen. Als Günther Beckstein 2008 scheiterte, wäre Herrmann gerne Ministerpräsident geworden. Aber die Partei traute ihm den Job nicht zu.

Wenn Seehofer jetzt scheitern würde, gehörte Herrmann zu den aussichtsreichen Kandidaten. Aber die Zeit läuft gegen ihn.

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