Joachim Herrmann und der Staatstrojaner:Lob von Seehofer

Es ist die Mischung aus Amt und Inhaber, die Joachim Herrmann so wichtig für Regierungschef Horst Seehofer macht. Der oft so ruhige und erfahrene 55-Jährige ist eine sichere Bank, die Figur, auf die man setzen kann. Und die doch stets skandalträchtige Themen hat: Polizei, innere Sicherheit, Verfassungsschutz. Anders als bei den meisten Kollegen kann bei Herrmann jede Sekunde etwas passieren. Bislang haben ihn die Angriffe manchmal ins Schwitzen gebracht, aber nicht ins Wanken. Er machte keine groben Schnitzer.

"Er hat das sehr souverän begleitet bisher", lobt Seehofer. "Deswegen hat er meine Unterstützung, und mein Vertrauen sowieso." Das ist für Seehofer keine Selbstverständlichkeit. Wenn an seinem Kabinettstisch einer nicht richtig spurt, kann Seehofer richtig unangenehm werden, das wissen vor allem seine FDP-Minister wie Martin Zeil und Wolfgang Heubisch. Deswegen hat es Seehofer gut gefallen, dass Herrmann von sich aus den Datenschutzbeauftragten Thomas Petri einschaltete und ihm die Prüfung des Trojaners übergab. Solche Eigeninitiative mag Seehofer, deswegen lobt er sie gestern vor dem Landtagsplenum zur Sicherheit gleich drei Mal. Das wiederum hört Herrmann natürlich gerne, der auch großen Wert darauf legt, es gebe "volles Einvernehmen mit meiner Fraktion".

Die nimmt ihn in der Parlamentsdebatte in Schutz: Fraktionsgeschäftsführer Alexander König bedankt sich demonstrativ und spricht von "bösartigen Unterstellungen" gegen Herrmann. "Mehr kann der Innenminister nicht tun", sagt König. Seit 2007 ist Herrmann Innenminister. Er hat schon so manche Belastungsprobe überstanden. Das seine Ermittler nicht in der Lage waren, die Messerattacke auf den Passauer Polizeichef Mannichl aus dem Jahr 2008 aufzuklären, kratzt noch immer am Selbstbewusstsein der bayerischen Polizei.

Viel schlimmer war aber 2009 der Tod des Regensburger Studenten Tennessee Eisenberg im Kugelhagel der Polizei. Der Tathergang ist voller Widersprüche und bis heute nicht wirklich geklärt. Herrmann stellt sich immer sofort vor seine Beamten. Auch jetzt nennt er die Vorwürfe "Unfug", seine Leute schnüffelten nicht. Er hat ein Gespür dafür, wann es politisch Zeit ist, Konsequenzen zu ziehen.

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