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Interview mit Gabriele Pauli:"Ich bin nicht isoliert"

SZ: Aber selbst Alice Schwarzer findet die Bilder etwas anrüchig.

Pauli: Ich habe ein anderes Frauenbild als Alice Schwarzer. Bei ihr sollen sich die Frauen mit ihrer Weiblichkeit zurückhalten, damit sie niemanden provozieren. Da ist ja schon ein Dirndl aufreizend. Das sehe ich anders. Frauen sollen ihre Natürlichkeit nicht verstecken.

SZ: Jetzt sind Ihre Latex-Handschuhe im Internet für einen guten Zweck versteigert worden. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, sie für die Gartenarbeit zu verwenden oder mit der Aktion bis nach dem Parteitag zu warten?

Pauli: Ich habe mich über die Idee gefreut, die Handschuhe zu versteigern. Das war nicht meine Idee, sondern die der Stylistin. Ich wurde lediglich gefragt, ob ich einen sozialen Zweck für den Erlös nennen könnte - und das habe ich gerne getan.

SZ: Kommen wir zu den Inhalten. Derzeit schreiben Sie an Ihrem Programm. Was steht denn drin?

Pauli: Ich stelle es nächste Woche vor. Grundsätzlich ist das Programm der CSU auch mein Programm. Ein paar andere Akzente setze ich im Bereich der Familienpolitik und auch in puncto Umgang mit Andersdenkenden in der Partei. Denn die, die konform sind, bringen keine neuen Impulse.

In der CSU muss es mehr Offenheit geben. Es muss etwas normales sein, dass man eine andere Meinung äußern kann, ohne gleich unsachlich angegriffen zu werden. Grundsätzlich muss die CSU ihr liberales Profil mehr schärfen als ihr konservatives.

SZ: Haben Sie denn jenseits der Familienpolitik noch etwas anderes zu bieten?

Pauli: Ich will die Partei nicht umkrempeln, aber doch moderner ausrichten. So sollte die CSU das "S" wieder mehr betonen, ich denke vor allem an die Armut vieler Hartz-IV-Familien, worunter die Kinder besonders leiden.

Außerdem geht es mir zu weit, die Mitgliedschaft der Türkei in der EU von vornherein kategorisch auszuschließen. In der Türkei gibt es einen Demokratisierungswillen. Deshalb will ich eine kleine Öffnung des Grundsatzprogramms und den Satz eingefügt haben, dass es im Moment noch nicht so weit ist, die Türkei aufzunehmen. Ein weiteres Thema ist der Transrapid. Das Geld wäre im Nahverkehr in ganz Bayern besser untergebracht.

SZ: Wird es denn in Ihrem Programmentwurf etwas geben, worin sich auch der traditionelle, konservative CSU-Mann wiederfindet?

Pauli: Ich kann das meiste im Grundsatzprogramm der CSU mittragen. Aber das muss ich nicht extra fordern.

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