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Interview mit Gabriele Pauli:"Ich bin nicht isoliert"

Die Fürther Landrätin über ihre Ideen für ein liberaleres Profil der CSU, ihre Kandidatur für den Parteivorsitz und ihre umstrittenen Latex-Fotos.

SZ: Frau Pauli, Sie haben am 12. Juli völlig überraschend Ihre Kandidatur für den CSU-Vorsitz bekanntgegeben. Hatten Sie länger darüber nachgedacht oder war das ein spontaner Entschluss?

Gabriele Pauli: Ich habe das am Tag vorher endgültig beschlossen. Natürlich habe ich den Gedanken schon länger mal hin- und herbewegt, das geht nicht so plötzlich. Aber irgendwann sagt man sich: Ja, o.k.

SZ: Gab es einen konkreten Auslöser?

Pauli: Nein. Ich hatte schon längere Zeit das Gefühl, dass dieser Schwung, diese Anfangseuphorie, die im Januar zu verspüren war, verflogen war. Damals hoffte man, dass neue Leute an die Spitze von Regierung und Partei kämen. Die Erwartung war groß, dass sich auch inhaltlich und vom Stil her etwas ändern würde.

Aber dann hatte man den Eindruck, dass doch alles bleiben sollte, wie es war. Und viele sagten mir: Das ist doch das Gleiche, nur mit anderen Gesichtern. Dieser Gedanke saß bei mir fest und ich habe überlegt: Könnte nicht vielleicht jemand anderes noch kandidieren? Aber es hat sich keiner hervorgetan. Da habe ich mir gedacht: Warum auf jemand anderen warten - ich mache das jetzt selber.

SZ: Ihnen ist seit Monaten viel Ablehnung aus der CSU entgegengeschlagen - bis hin zu offener Feindseligkeit, wie am Aschermittwoch in Passau. Warum wollen Sie ausgerechnet Vorsitzende dieser Partei werden?

Pauli: Der Aschermittwoch ist ja nicht typisch für die CSU, das war eine Momentaufnahme. Da waren auch viele Fans von Edmund Stoiber da, die es noch nicht ganz überwunden hatten, dass er aufhört. Ich kann mir denken, dass der eine oder andere jetzt gar nicht mehr so emotional reagieren würde.

Ich bin seit 30 Jahren dabei und kenne die CSU ganz gut. Diese Partei hat unheimlich viele Ideen; diese Kraft, das Potenzial unserer Mitglieder wird wenig genutzt. Die letzten Jahre kamen politische Entscheidungen sehr häufig von oben nach unten.

SZ: War der eigentliche Grund Ihrer Kandidatur nicht, dass Sie sich wieder ins Gespräch bringen wollten? Es war zuvor doch ruhiger um Sie geworden.

Pauli: Ich lebe damit, dass alles Mögliche vermutet wird. Mir geht es darum, dass die CSU jetzt vorankommt, dass wir neue Akzente setzen. Klar versucht man, meine Kandidatur anzugreifen, weil so vieles halt nicht ins Denken einiger passt. Dass es nicht im kleinen Zirkel ausgemacht worden ist, geht völlig gegen die Prinzipien einiger, die da oben sitzen.

Die denken: Das darf man gar nicht erst einreißen lassen - wo kämen wir sonst hin, das bestimmen doch wir. Und es ist für einige Männer ungewöhnlich, dass sich eine Frau an die Spitze einer Partei stellt. Sich damit abzufinden, fällt da nicht leicht. So wird mir manches nachgesagt, unterstellt, vorgeworfen.

SZ: Wie würden Sie aus heutiger Sicht Ihre Rolle in der CSU um die Jahreswende beschreiben?

Pauli: Es wurden wichtige Schritte in die richtige Richtung getan: Dass Stoiber aufhört, wurde durch die öffentliche Diskussion angeschoben...

SZ: ... waren Sie also die Königsmörderin?

Pauli: Das sagen einige ganz gerne über mich. Aber Stoiber hat ja vor zwei Wochen selber offen darüber gesprochen, dass der Druck aus der Landtagsfraktion auf ihn sehr hoch war. Und mir hat er bei unserem Treffen am 18. Januar, eine Stunde nach seiner Rückzugsankündigung, ähnliches gesagt: Dass die Fraktion zu 40, 50 Prozent nicht mehr hinter ihm stehe. Und dass er gehen werde, weil er eine geschlossene CSU möchte. Ich habe diese Diskussion vielleicht angestoßen und erstmalig geäußert, was viele gedacht, sich aber nicht zu sagen getraut haben.

SZ: Sehen Sie sich eher als Sprachrohr von Unzufriedenen oder als Putschistin?

Pauli: Ersteres. Ich hätte es alleine ja gar nicht schaffen können, da müssen mehr mitmachen - vor allem die Abgeordneten waren da wichtig.

SZ: Im Frühjahr wurden dann die berühmten Latex-Fotos von Ihnen veröffentlicht. Haben Sie damit nicht Ihre politische Glaubwürdigkeit beschädigt?

Pauli: Nein. Diese Park-Avenue-Fotos sind für mich harmlose Modefotos. Da ist nichts dabei. Doch indem man etwas Rotlicht dazu gibt, die Kontraste etwas verschärft und eine entsprechende Überschrift darüber setzt, wird das ganze anrüchig. Ich habe die Fotos gerne gemacht und würde sie auch wieder machen. Und ich sehe nicht ein, warum ich mich verstellen oder bestimmte Dinge nicht mehr tun soll, die keinem Menschen schaden.

SZ: Aber nun kennen Sie die CSU ziemlich gut. Es war doch absehbar, dass in einer Partei mit einer so robusten Doppelmoral die Reaktionen verheerend ausfallen würden. Wie konnte Ihnen diese Fehleinschätzung unterlaufen?

Pauli: Genau. Es ist die Doppelmoral einiger in der CSU, die zu diesem Aufschrei geführt hat.

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