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Innovationen aus Bayern:Wer hat's erfunden?

Adi Dassler mit Sportschuh

Adi Dassler baute auf seinem Stollen-Fußballschuh das Weltunternehmen Adidas auf.

(Foto: Werkfoto)

Nein, hier geht es nicht um Schweizer. Sondern um Erfindungen aus Bayern, die die Welt bereichert haben - vom Globus über den Meterstab bis zur Waschmaschine.

Manchmal beflügelt den Erfindergeist ja einfach der bloße Zufall oder die Verlegenheit. Bei Josef Friedrich Schmidt war das so, ein Lebensmittelhändler, der mit Frau und Kindern Anfang des 20. Jahrhunderts in München wohnte. Mit lebhaften Kindern. Er ersann eben daher ein Brett- und Würfelspiel und erreichte das Ziel, das der Schriftsteller August Strindberg 1893 so formulierte: "Das Brettspiel wird als Blitzableiter im Hause eingeführt, die gefährliche Unterhaltung wird durch das Klappern der Würfel ersetzt."

Schmidt hatte "Mensch ärgere dich nicht" erfunden, tüftelte danach weiter an seiner Idee, perfektionierte sein Spiel - doch wirtschaftlicher Erfolg kam damit zunächst nicht. Doch er blieb hartnäckig, ließ einige Tausend Exemplare fabrizieren, schickte diese im Ersten Weltkrieg als Spende an Kriegslazarette. Die Verwundeten spielten sich so Angst und Schmerz ein bisschen weg, der Beginn eines Durchbruchs - heute ist "MÄDN", wie Kenner es nennen, eines der bekanntesten Brettspiele, gut 100 Millionen Mal verkauft.

Eine Münchner Erfindung, da in einer Giesinger Wohnstube entstanden, könnten die Landeshauptstädter sagen. Eine Oberpfälzer Erfindung, sagen die Amberger, dort wurde Schmidt 1871 geboren. Mit Sicherheit ist es: eine bayerische Erfindung. Wenn sich der Bayer etwas in den Kopf setzt, kann Großes entstehen. Zeugnis davon gibt nun Heidi Fruhstorfer ab, "Echt clever" heißt ihr kleines, aber reichhaltiges Buch. Es erzählt - üppig bebildert, unterhaltsam geschildert - von bayerischen Innovationen, die "aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken" sind. Den Begriff Bayern definiert die Autorin dabei recht großzügig: Leute, die hier geboren sind oder hier lebten und arbeiteten.

Ihre Zeitreise beginnt 1492 mit der Erfindung des Globus in Nürnberg, dem Erdapfel des Kartografen Martin Behaim; ebenfalls recht früh ist die Henlein-Taschenuhr aus dem 16. Jahrhundert zu verorten. Fruhstorfers Panorama der Cleverness endet zeitlich 1964 in München mit einer Art Revolution im Karussell- und Achterbahnbau: dem "Olympia-Looping" des Ingenieurs Werner Stengel auf der Wiesn.

Dazwischen finden sich über ein halbes Jahrtausend große Namen der Wissenschaft, nach denen zu Recht Hochschulen oder Straßen benannt sind. Einige Beispiele: Joseph von Fraunhofer (1787-1826), in Straubing geboren und in München wirkend, und seine Spektralanalyse des Sonnenlichts. Georg Simon Ohm (1789-1854) und sein elektrische Widerstand - ohne Ohm, kein Strom. Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923), der in Würzburg den Grundsein der Radiologie legte, oder die in Erlangen geborene Mathematikerin Emmy Noether (1892-1935), die "Mutter der modernen Algebra".

Da sind aber auch viele klugen Köpfe, deren Namen inzwischen oft vergessen sind, ihre Projekte aber keinesfalls. Wie Stephan Farfler (1633-1689) aus Altdorf bei Nürnberg, der einen handkurbelbetriebenen Dreiradwagen erfand, einen Vorläufer des Rollstuhls. Der Botaniker und evangelische Theologe Jacob Christian Schäffer (1718-1790), der die "Regensburger Waschmaschine" konstruierte - mit dem mechanischen Holzkasten sollten sogar "Mannspersonen" die Wäscherei übernehmen können. Oder Anton Ulrich (1826-1895) aus der früher bayerischen linksrheinischen Pfalz, er hat den Meterstab erfunden. Immer noch bekannt ist Adi Dassler, auf dessen Entwicklung unter anderem des Stollen-Fußballschuhs das Weltunternehmen Adidas fußt.

Ein Abstecher in die Kunst, die Unterhaltungskunst konkret, erfolgt mit Ellis Kaut (1920-2015), die dem Pumuckl Leben eingehaucht hat. 1962 kam der Kobold ins Programm des Bayerischen Rundfunks. Obwohl in Stuttgart zur Welt gekommen, war Kaut - als 18-Jährige zum Münchner Kindl gekürt - stets Inbegriff der bayerischen Hauptstadt, ebenso wie ihr rothaariges Kerlchen. Wohl auch ein Markenbotschafter Bayerns - Kinder im Norden oder Westen Deutschlands, die den Pumuckl hörten, sahen und lasen, haben sich vielleicht genau dieses Bild vom Freistaat ausgemalt: eine urige Hinterhofwerkstatt, der feine, wenngleich zuweilen grantelnde Gustl-Bayrhammer-Dialekt. Und sehr viel "Schabernack", beim Klabautermann!

Um aber nicht heimattümelnd zu werden oder die Laptop-und-Lederhosn-Fraktion ins Ekstase zu versetzen, muss man über das Buch von Heidi Fruhstorfer dreierlei abschließend festhalten: Dass sich in anderen Landstrichen der Republik sicher auch jede Menge Erfindungen zusammentragen ließen, wenn auch das Patentwesen in Bayern nach wie vor floriert; dass die Autorin wie erwähnt doch sehr großzügig eingebayert hat; vor allem aber ein Aspekt, den sie selbst ausführt: "Vielleicht trug zum Ideenreichtum der Erfinder auch die besondere Mischung der Bevölkerung Bayerns bei, die durch die von 1806 an zu Altbayern hinzugekommenen Stämme der Pfälzer, Franken und Schwaben, die jüdischen und evangelischen Eingebürgerten, die nach 1945 angekommenen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge und die aus den vielen Ländern der Welt hier heimisch gewordenen Zuwanderer entstanden ist."

Heidi Fruhstorfer: Echt clever! Geniale Erfindungen aus Bayern. Wartberg, 120 Seiten, 15 Euro.

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