Eichenprozessionsspinner in Bayern Raupen verderben Sommerfest

Die Raupen bewegen sich oft wie in einer Prozession hintereinander fort, daher kommt auch der Name: Eichenprozessionsspinner.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)
  • Das Sommerfest der Schützen im schwabischen Harburg musste verschoben werden, weil es in diesem Jahr weit mehr Eichenprozessionsspinner gibt als sonst.
  • Ihre feinen Haare enthalten ein Eiweißgift, das beim Kontakt mit der Haut zu Irritationen führen kann.
  • Aufgrund der milden Temperaturen kommen die Raupen auch hierzulande immer häufiger vor.
Von Christian Rost, Harburg

Ein Falter vermasselt den Harburger Schützen das Sommerfest. Der Befall des Eichenprozessionsspinners an etlichen Bäumen in der schwäbischen Stadt im Landkreis Donau-Ries ist in diesem Jahr so groß, dass die Schützen um die Gesundheit ihrer Gäste fürchten mussten. Das für den 14. Juli geplante Sommerfest wurde deshalb abgesagt, die Musikkapelle abbestellt. Der Vorstand spricht von "höherer Gewalt". Flächendeckend sind im gesamten Stadtgebiet Eichen befallen, wie die Lokalzeitung berichtet. Und rund um die Sonnenterrasse am Schießhaus kleben besonders viele Raupen in den Bäumen. Die Nester kurzerhand zu entfernen, geht nicht. Weil auch an Kindergärten und Schulen in Harburg Bäume abgesaugt werden, müssen die Schädlingsbekämpfer Prioritäten setzen und haben keinen Termin mehr frei. Nun müssen sich die Schützen mit ihrem Fest bis zum Oktober gedulden. Da ist der Sommer zwar vorbei, wenn das 50-jährige Bestehen des Schützenhauses begangen wird. Die Raupen sind bis dahin aber immerhin verschwunden.

Der Eichenprozessionsspinner fühlt sich überall wohl. Von Süd- und Mitteleuropa ist er bis in den Süden Russlands und nach Vorderasien verbreitet. Hierzulande kommt er infolge der milden Witterung immer häufiger vor. In Bayern wird ein starker Befall meist aus Franken gemeldet. Jedenfalls vermutet der Harburger Bürgermeister Wolfgang Kilian, dass die ungewöhnlich warmen Monate April und Mai das Problem zusätzlich verschärft haben.

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Vor allem am Waldrand und in einzeln stehenden Bäumen legen die Falter ihre Eier ab. Bis zu 200 Stück kann ein Gelege umfassen. Davon sind nicht nur Eichen betroffen, sondern auch Hainbuchen. Und wenn dann die Jungraupen im Frühjahr schlüpfen, halten sie sich gütlich an den Blättern der Bäume - sie fressen sie kahl. Lediglich die Mittelrippe und die stärkeren Seitenrippen der Blätter lassen sie übrig. Dem Baum schadet das nicht dauerhaft, er erholt sich wieder und treibt nach.

Für den Menschen sind die Raupen ein Problem, weil ihre feinen Haare ein Eiweißgift enthalten, das beim Kontakt mit der Haut eine unangenehme Dermatitis auslösen kann. Vom Wind können diese fast unsichtbaren Haare, die leicht brechen, über weite Strecken getragen werden - weshalb auch die Harburger Schützen so vorsichtig sind. Wer keine lange Kleidung trägt, muss also damit rechnen, dass sich an Armen und Beinen die Härchen mit ihren feinen Haken festsetzen und Entzündungen auslösen. Bis zu zwei Wochen können die Rötungen anhalten. Einatmen sollte man die Härchen auch nicht, weil sie Reizungen und schmerzhaften Husten oder sogar Asthma auslösen. Allerdings neigen nur überempfindliche Menschen zu allergischen Schockreaktionen.

Gemein ist, dass sich die Haare auch an Kleidern, in Gräsern und Sträuchern festsetzen, lange haltbar sind und sich in der Umgebung anreichern. Wer also in seinem Garten Eichenprozessionsspinner zu Gast hat, sollte vorsichtig sein. Es gibt Chemikalien, mit denen sie bekämpft werden könne, davon raten Naturschützer aber ab. Andere Methoden, die Raupennester zu entfernen, sind das Abbrennen und Absaugen. In Harburg sind die Mitarbeiter des Bauhofs momentan schwer damit beschäftigt, zumindest besonders sensible Bereiche wie Freiflächen an Kindergärten, Spiel- und Sportplätze von der Brut der Nachtfalter zu befreien. Es wurden auch Warnschilder aufgestellt. Mehr kann die Stadt nicht tun, der Bürgermeister meint, man könne ja nicht alle Eichen in Harburg fällen.

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