Borreliose und FSME Was Sie über Zecken wissen sollten

Eine Zecke sitzt auf einem Grashalm: Kommt ein Mensch vorbei, kann sie sich an seine Haut heften und Blut saugen.

(Foto: dpa)

Für diesen Sommer werden besonders viele Zecken erwartet. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Infektionsgefahr.

Von Berit Uhlmann

Zecken sind keine Insekten, sondern gehören zu den Milben, die wiederrum den Spinnentieren zugerechnet werden. Die Tiere beißen auch nicht, sondern stechen - zumindest in der Sprache der Wissenschaftler. Und sie stürzen sich auch nicht hinterrücks auf Wanderer, sondern sind eher gemächliche Krabbler. Was Sie sonst noch über Zecken, FSME und Borreliose wissen sollten.

Wann ist Zeckensaison?

Zecken werden ab einer Temperatur von acht Grad aktiv. Daher kann die Saison schon im Winter beginnen und bis in den Spätherbst reichen. Am größten ist das Risiko eines Zeckenstiches allerdings im Sommer, wenn sich die Menschen besonders viel im Freien aufhalten und den Tieren reichlich Haut darbieten. Für dieses Jahr prognostizieren Forscher ein besonders großes Risiko: "Wir werden die höchste Zahl an Zecken in den letzten zehn Jahren haben", sagt Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. In seine Modellrechnungen bezieht er unter anderem die Temperaturen und das Nahrungsangebot für Wildtiere ein, die für das Überleben der Zecken wichtig sind.

Wo trifft man auf Zecken?

Zecken kommen in ganz Deutschland vor. Am verbreitetsten ist der der Gemeine Holzbock, der sich auf Gräsern, Laub oder in Büschen aufhält. Von dort hängt sich das Milbentier an vorbeikommende Menschen oder Tiere und sucht sich an deren Körper in aller Ruhe eine geeignete Stelle zum Stechen. Der Stich an sich ist nicht gefährlich und auch kaum zu spüren, da die Zecken ein betäubendes Sekret absondern. Entscheidend für die Gesundheit ist, ob bei der Blutmahlzeit Krankheitserreger überragen werden.

"Fälle nördlich der bislang bekannten Risikogebiete nehmen zu"

Wissenschaftler beobachten vermehrt Infektionen durch Zecken im Norden Deutschlands. Wie groß die Gefahr dort wirklich ist, erklärt Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. Interview von Felix Hütten mehr ...

Welche Krankheiten werden wo übertragen?

Überall in Deutschland können Zecken Bakterien weitergeben, die eine Borreliose auslösen. Ein typisches Zeichen ist ein Fleck, der sich ringförmig nach außen ausbreitet und "Wanderröte" genannt wird. Er tritt allerdings nicht zwangsläufig auf. Weitere Anzeichen sind grippeähnliche Beschwerden. Später können die Erreger Gelenke und verschiedene Organe, darunter auch das Gehirn, angreifen. Die Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden. Kompliziert wird die Lage, wenn Menschen unspezifische Schmerzen, Müdigkeit und Gedächtnisstörungen auf einen Jahre zurückliegenden oder gar nicht sicher dokumentierten Zeckenstich zurückführen. Die Diagnose ist dann nur sehr schwer zu stellen, zumal auch der Antikörpertest allein nicht sehr zuverlässig ist.

Seltener übertragen Zecken Viren, die eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen können. Wenn überhaupt Symptome auftreten, ähneln sie zunächst denen einer Grippe. In seltenen Fällen können später Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute auftreten, die sich durch Bewusstseins- und Koordinationsstörungen oder Lähmungen bemerkbar machen. Derzeit werden die FSME-Erreger vor allem in den südlichen Bundesländern übertragen. Eine Karte der Risikogebiete gibt es hier.

Wie groß ist das Risiko, das von Zecken ausgeht?

Die Gefahr ist geringer, als viele Laien annehmen. Denn damit eine Krankheit ausbricht, muss einiges geschehen.

  • Eine Zecke muss zustechen. Wie oft das passiert, ist nicht genau bekannt. Einer Erhebung in süddeutschen Kindergärten zufolge werden jährlich weniger als 30 Prozent aller Kinder gestochen.
  • Die Zecke muss Krankheitserreger tragen. Auch dies ist längst nicht immer der Fall. Maximal 30 Prozent aller Zecken tragen Borreliose-Erreger. FSME-Viren sind selbst bei Zecken in Hochrisikogebieten rar: Höchstens fünf Prozent haben sie in sich.
  • Die Zecke muss den Erreger weitergeben. Doch im Falle der Borreliose ist dies ein langwieriges Unterfangen. Erst nach ein bis zwei Tagen Blutsaugen spuckt das Tier die Bakterien in den Kreislauf des Menschen. Es ist also recht leicht, die Zecke rechtzeitig zu entdecken und zu entfernen. FSME-Erreger können dagegen schon kurz nach dem Stich übertragen werden.
  • Der Mensch muss erkranken. Tatsächlich aber verlaufen viele Infektionen symptomlos oder so mild, dass sie nicht bemerkt werden. Es ist daher selten, dass all diese Bedingungen erfüllt werden. So wurden im Jahr 2017 deutschlandweit 485 FSME-Fälle erfasst. Für Borreliose gibt es keine landesweiten Zahlen. Bayern aber hat eine Meldepflicht. Demnach erkrankten 2017 etwa 3500 Menschen in dem Bundesland.

Wie schützt man sich vor Zecken?

Zeckensprays können die Tiere etwa zwei Stunden lang auf Abstand halten. Schuhe mit hohem Schaft und lange Hosen können ebenfalls schützen. Außerdem sollte der Körper nach dem Aufenthalt in der Natur nach Zecken abgesucht werden.

Wer sollte sich impfen lassen?

Nur gegen den Erreger der FSME gibt es eine Impfung. Sie wird für alle Menschen empfohlen, die in einem ausgewiesenen Risikogebiet wohnen, arbeiten oder Urlaub machen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Einwohner der betroffenen Regionen. Insgesamt sind drei Spritzen nötig; sie schützen drei bis fünf Jahre lang. Die ersten beiden Dosen erhält man im Abstand von etwa einem bis drei Monaten. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits ein vorübergehender Schutz erreicht.

Wie entfernt man eine Zecke?

Empfohlen wird, einen schmalen Gegenstand zwischen Haut und Zecke zu schieben. Es gibt spezielle Zeckenkarten oder -pinzetten dafür. Auch eine normale Pinzette mit nach innen gewinkelten Enden und notfalls auch spitze Fingernägel können verwendet werden. Dann wird die Zecke langsam herausgezogen. Anschließend sollte die Wunde desinfiziert werden. Bleibt der Rüssel der Zecke zurück, ist dies nicht dramatisch. Von ihm geht keine Infektionsgefahr aus; er kann später von einem Arzt entfernt werden.

Dagegen sollte der Zeckenkörper nicht gequetscht werden, man riskiert sonst, Krankheitserreger in die Wunde zu drücken. Auch sollte man den Tieren nicht mit Öl, Alkohol, Klebstoff oder ähnlichem zu Leibe rücken, dies hat höchstens den Effekt, dass die gestressten Parasiten sich in die Wunde erbrechen und damit erst Recht Krankheitserreger übertragen.

Bloß keine Panik

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