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Grüne:Gegen Wettrüsten am Berg

Kritik an Förderung der Seilbahn-Betreiber durch Freistaat

Die Seilbahn-Betreiber im Allgäu haben in den zurückliegenden beiden Jahren fast 95 Millionen Euro in den Bau neuer Bergbahnen und Lifte sowie den Ausbau von Skigebieten gesteckt. Der größte Brocken ist die neue Nebelhornbahn mit 48,3 Millionen Euro Investitionsvolumen. Das geht aus der Antwort von Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert (FW) auf eine Anfrage der Grünen hervor. Von den 95 Millionen hat der Freistaat 25,5 Millionen Euro bei einem Seilbahn-Förderprogramm finanziert. Wenn es nach den Liftbetreibern geht, soll der Ausbau in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Sie haben bereits Projekte für 68 Millionen Euro zur Förderung angemeldet. Allein die neue Ochsenkopf-Bahn auf den gleichnamigen Berg im Landkreis Bayreuth soll 32 Millionen Euro kosten. Für den Ausbau des schwäbischen Grünten zum Erlebnisberg sind laut Wirtschaftsministerium 22,2 Millionen Euro veranschlagt.

Der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Ludwig Hartmann, übt scharfe Kritik. "Die üppige Förderung von Massentourismus und Skizirkus in den Bergen ist ein hässliches Relikt vergangener Zeiten", sagt er. "Die Erdüberhitzung lässt den Schnee in unseren niedrigen Skigebieten schneller schmelzen, als wir ihn künstlich erzeugen können." Hartmann spricht von einem "Wettrüsten am Berg mit Schneekanonen, Schneilanzen und betonierten Wasserdepots". Es münde "zwangsläufig in einen Krieg gegen die Natur und die Artenvielfalt". Das Seilbahn-Förderprogramm war erstmals 2009 unter dem damaligen Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) aufgelegt worden. Als Grund hieß es, bei den oft veralteten Anlagen in den vergleichsweise kleinen bayerischen Skigebieten gebe es einen hohen Investitionsbedarf, der möglichst rasch abgebaut werden sollte. Inzwischen werden auch Großprojekte wie die neue Nebelhorn-Bahn gefördert. Der Freistaat finanziert elf Millionen Euro oder 24 Prozent der 48,3 Millionen Euro. Außerdem ist das Programm gleichsam zur Dauereinrichtung geworden. Zuletzt wurde es Ende 2019 bis Ende 2022 verlängert

© SZ vom 02.02.2021 / cws
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