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Gleichstellung homosexueller Paare:Skeptisches Murren bei den Gegnern

Die Gegner haben sich ebenfalls in Stellung gebracht. Reserviert zeigt sich Klaus Stöttner, Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der CSU in Rosenheim. "Den Schutz der Familie als kleinste Einheit der Gesellschaft und zugleich als ihr höchstes Gut dürfen wir nicht aufgeben", sagt er. Eine Frau, die 20 Jahre für den Nachwuchs zu Hause geblieben sei, bekomme nach so langer Pause mit Anfang 50 keine Arbeitsstelle mehr. Ihre Leistung für die Familie und die Gesellschaft müsse anerkannt werden, auch finanziell. Andererseits ist Stöttner schon bewusst, dass sich die Gesellschaft verändert hat. Die Gleichstellung der Homo-Ehe hält er dennoch für "äußerst schwierig". Sie sei nur machbar, wenn gleichzeitig eine neue, alternative Form der Familienförderung in Kraft trete.

Die neue Kreisvorsitzende der CSU im Berchtesgadener Land, Michaela Kaniber, ist strikt gegen jede Vergünstigung für gleichgeschlechtliche Paare. "Steuerliche Vorteile sollten alleine den Familien zugutekommen, die ja auch die Kinder großziehen", sagt sie. Schon die Einführung der Homo-Ehe sei ein Schritt in die falsche Richtung gewesen, erklärt die Frau, die in ihrer Heimat bereits als Direktkandidatin für die kommende Landtagswahl nominiert ist. Für sie als Christin sei "die Familie mit Mann, Frau und Kinder unantastbar". Sie warnte ihre Partei davor, "in die falsche Richtung" zu marschieren.

Famlie muss privilegiert bleiben

Bedenken hat auch Christian Meißner, Landrat im oberfränkischen Kreis Lichtenfels. Bei der Diskussion über die Homo-Ehe habe niemand mehr "Schaum vor dem Mund", sagt er. Aber eine völlige Gleichstellung lehnt er ab. "Wo bleibt da die Familie?" Sie müsse privilegiert bleiben. Stefan Funk, Kreischef der CSU Schweinfurt-Stadt, erklärt: "Die Mitglieder haben wenig Verständnis für die Diskussion. Auch im Steuerrecht sollte die Familie weiterhin bevorzugt werden", sagt Funk.

Und der Kemptner Oberbürgermeister Ulrich Netzer ergänzt: "Ich gehöre eher zu denen, die es lassen würden, wie es ist." Der frühere Parteichef Erwin Huber sagt: "Die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft ist auch ein anerkanntes Rechtsinstitut, aber eben nicht das Gleiche wie die Ehe." Deshalb dürfe "Ungleiches auch ungleich" behandelt werden.

Diskussion unter falschen Voraussetzungen?

Skeptisch zur steuerrechtlichen Gleichstellung äußern sich auch jüngere CSU-Politiker. Der Deggendorfer Oberbürgermeister Christian Moser unterstützt eine Partnerschaft von Mann und Frau, da die eigene Kinder in die Welt setzen könnten. Allerdings sollte die Heirat zweier Menschen ohnehin nicht finanziell motiviert sein.

Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr sieht das Thema unter falschen Voraussetzungen diskutiert. Für ihn geht es weniger um eine Gerechtigkeitsdebatte als vielmehr um die Frage, was die Gesellschaft in Zukunft brauche. "Der Staat muss überlegen, welche Strukturen er angesichts immer knapper werdender Ressourcen unterstützen will", sagt Pannermayr. Dazu zähle für ihn die Stärkung der Familie. Dies habe jedoch nichts mit mangelnder Wertschätzung gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu tun.

© SZ vom 10.08.2012/infu

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