Glaube oder Aberglaube Wenn die Heilige Maria um 16.30 Uhr in Unterflossing erscheinen soll

Salvatore Caputa ist der selbsternannte Seher aus Sizilien.

(Foto: Magdalena Pulz/oh)

In dem kleinen Ort warten Hunderte Pilger aus Deutschland, Österreich und Italien auf ein Zeichen der Gottesmutter. Dann riecht es plötzlich nach Rosen. Und ein Seher aus Sizilien erhält eine Botschaft.

Von Vinzent-Vitus Leitgeb, Unterflossing

Salvatore Caputa ist nicht besonders groß. Schon aus der zehnten Reihe der Pilgermenge sind seine weißen Haare nur noch schwer auszumachen, so eng drängen sich die gut 800 Menschen um den selbsternannten Seher aus Sizilien. In wenigen Minuten soll sie erscheinen: die Heilige Maria. Zum zweiten Mal in diesem Jahr in Unterflossing im Landkreis Mühldorf am Inn.

Die Erscheinung soll wieder direkt neben der privaten St.-Laurentius-Kapelle von Otto Masszi passieren, wie bereits im März dieses Jahres. Damals waren 300 Menschen gekommen, sie erfuhren direkt den Termin der nächsten Erscheinung am 9. September 2017, wieder einem Samstag, wieder um 16.30 Uhr.

Die Gläubigen hoffen auf Gnadenwasser

Ein genauer Termin. Gut für Masszi, um alles für einen größeren Ansturm zu organisieren: Mobile WCs, Müllbeutel, einen Sanka und Lautsprecher, um die Messen aus der Kapelle nach draußen zu übertragen. Außerdem hilft die Feuerwehr, die Busse und Autos der Pilger aus Deutschland, Österreich und Italien zu den Parkplätzen zu lotsen. Die meisten Gläubigen sind schon den ganzen Tag hier, mit Klappstühlen und leeren Flaschen für das Gnadenwasser aus dem neugegrabenen Brunnen bei der Kapelle.

Auch Lorenz Kronberger, Bürgermeister von Polling, zu dem Unterflossing gehört, ist da, wenn auch skeptisch. Er glaubt noch nicht, dass Unterflossing bald das neue Altötting wird. Die Erzdiözese München hat einen Beobachter geschickt. Denn Caputa behauptet bereits seit 1986, immer wieder mit der Gottesmutter zu sprechen. Keine der angeblichen Erscheinungen oder Visionen wurde aber jemals kirchlich anerkannt.

Eine Frau will Rosenduft gerochen haben

Pünktlich um halb fünf wird es ganz still in der Unterflossinger Pilgermenge. Caputa streckt seine Hand mit dem Rosenkranz in die Höhe. Viele machen es ihm nach. Noch mehr halten das Smartphone hoch und filmen. Dann sinkt Caputa auf die Knie und senkt den Kopf. Wenig später steht er auf und geht wortlos in die Kapelle. Er werde in 20 bis 30 Minuten die Botschaft verkünden, heißt es. Die Pilger diskutieren inzwischen, was sie selbst gehört, gesehen, gefühlt oder gerochen haben. Rosenduft, sagt eine Frau. Innere Schwingungen, eine andere. Er habe hinten überhaupt nichts gehört, beschwert sich ein älterer Mann.

Mit einem vollen A-4-Blatt kommt Caputa wieder zurück: "Maria will, dass ihr betet", sagt er. "Sie ist in großer Sorge." Es wird kurz düster, doch folgt bald die Beruhigung: "Maria liebt Österreich und Deutschland." Und Unterflossing wohl am meisten.

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