Fall Georg Luxi Der arme Millionär

Georg Luxi war einmal ein reicher Mann. Er starb als Sozialfall.

(Foto: Polizei)

Er stellte seiner Lebensgefährtin eine Generalvollmacht aus, verschwand spurlos und lebte zuletzt in einem Pflegeheim als Sozialfall. Nun ist Georg Luxi gestorben. Und der Streit um sein Erbe geht los.

Von Wolfgang Wittl

Am Ende waren es die kleinen Fortschritte, mit denen Georg Luxi seine beiden Töchter beglückte. Wie er mithilfe eines Rollwagens eine Runde durch das Pflegeheim drehte, wie er wieder Butterbrot und Kuchen zu essen begann und wie er ganz wie früher Zeitungen durchblätterte - auch wenn er wegen seiner Demenzerkrankung vermutlich nicht mehr das Geringste von dem verstand, was er sah.

Zuletzt ließ Luxi auch körperlich nach. Vor einer Woche wurde er vom Pflegeheim in Plattling ins Klinikum Deggendorf verlegt. Am Mittwoch ist er mit 87 Jahren gestorben. "Er hat auf alle Fälle nicht mehr gelitten", sagt seine Tochter Gabriele.

Gelitten, das hatte Georg Luxi in den vergangenen zwei Jahren nach Auffassung seiner Töchter und deren Anwalt Volker Thieler zur Genüge. Der Rentner machte bundesweit Schlagzeilen als Millionär, dem sein Geld und seine Häuser abhanden gekommen waren. Luxi hatte seiner Lebensgefährtin Maria S. und deren Sohn Georg 2008 eine Generalvollmacht ausgestellt.

Seine Töchter bezweifeln, dass er damals noch Herr seiner Sinne war. Kurz darauf übertrugen Maria und Georg S. das Barvermögen des früheren Geschäftsmannes in Höhe von etwa einer Million Euro sowie dessen sechs Doppelhaushälften auf sich. Für seine Penthousewohnung in Deggendorf, sein letztes Refugium, gab Luxi sogar sein Nießbrauchrecht auf. In dem Pflegeheim lebte er zuletzt als Sozialfall.

Ein Fahndungsaufruf der Polizei blieb ergebnislos

Als seine Töchter 2012 versuchten, ihren Vater unter Kontrollbetreuung stellen zu lassen, war der plötzlich mit seiner Lebensgefährtin Maria S. verschwunden. Ein Fahndungsaufruf der Polizei blieb ergebnislos. Die Deggendorfer Oberstaatsanwältin Kunigunde Schwaiberger sagte, sie habe "noch nie erlebt, dass man jemanden derart unter Verschluss halten kann".

Erst eineinhalb Jahre später, im Juni vergangenen Jahres, tauchte Georg Luxi im Krankenhaus Zwiesel wieder auf: abgemagert, mit unbehandelten Schlaganfällen, Schürfwunden am Bein sowie einer gebrochenen Nase, wie Ärzte feststellten. Bereits nach einem Auftritt seiner Tochter in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" hatte sich ein Hinweis ergeben, der demente Rentner sei womöglich nach Tschechien geschafft worden. Diese Spur erwies sich als richtig.

Vor der Verlegung nach Zwiesel war Luxi ins Krankenhaus Klatovy eingeliefert worden - offenbar aber nicht auf Veranlassung seiner Lebensgefährtin, sondern vielmehr dank des Personals jenes heruntergekommenen tschechischen Quartiers, in dem Luxi unter der Obhut von Maria S. mindestens mehrere Wochen verbracht haben soll.

Tschechische Taxifahrer sollen sich geweigert haben, den halb verhungerten Mann angeblich auf Wunsch von S. nach Deutschland zu fahren, wohin auch immer. Diese und weitere Merkwürdigkeiten hat der Filmemacher Helge Cramer für einen 45-minütigen Beitrag recherchiert, der am 31. März im WDR zu sehen sein wird (22 Uhr, "Die Story: Ein Millionär verschwindet").

15 Monate lang folgte Cramer mit der Kamera Luxis Spuren, nachdem er in der SZ von dem Fall gelesen hatte. Der Anwalt von Luxis Töchtern sagt: "Einen derart dreisten Fall von Erbschleicherei" habe er in 30 Jahren nicht erlebt. Thieler hat gegen S. inzwischen Strafanzeige wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung gestellt.

Auch Georg S. erstattete Anzeigen, wirft Luxis Töchtern Lügen und finanzielle Gier vor. Während der eineinhalb Jahre, in denen Luxi unauffindbar verschwunden war, antwortete S. auf eine SZ-Anfrage: "Herr Georg Luxi ist ein unbeugsamer, ehemaliger Unternehmer und tut das, was er will." Der demenzkranke Mittachtziger genieße "als freier Bürger sein Leben".

Inzwischen ignoriert S. Anfragen und droht Journalisten mit juristischen Schritten. Unlängst erst musste S. eine Niederlage einstecken, als der Bundesgerichtshof eine Entscheidung des Landgerichts Deggendorf bestätigte. Die Richter fürchteten um Luxis Leben - und bestellten deshalb einen Kontrollbetreuer. Überdies zweifelten sie an der Redlichkeit der Bevollmächtigten.

Nun, mit Luxis Tod, erlischt die Zuständigkeit des Kontrollbetreuers wieder - die postmortale Vollmacht liegt bei Maria und Georg S. Eine der ersten Fragen wird sein, wer sich um die Bestattung des Verstorbenen kümmert. Luxis Töchter würden sich dieser Aufgabe gerne annehmen.

Danach wird zu klären sein, wer welchen Anspruch auf das Vermögen hat. Bislang war der Fall Luxi die Geschichte eines verwirrten Mannes, der seine Heimat und sein Vermögen verlor, ohne dass der Rechtsstaat etwas dagegen zu tun vermocht hätte. Juristisch gesehen geht der Fall Luxi jetzt wohl erst richtig los.