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Europäische Union:"Hauptsache eurotisch"

Historisch relevantes Schreibwerkzeug: Mit diesem Füllfederhalter schrieb Theo Waigel sozusagen den Euro herbei.

(Foto: HDBG)

Theo Waigel überlässt dem Museum der Bayerischen Geschichte ein bedeutsames Stück: Den Füllfederhalter, mit dem er in Maastricht unterschrieb

"Mark" als Name für die neue europäische Währung war nicht durchsetzbar, "Lira" wollten die Deutschen nicht, "Schilling" war "auch nicht das Gelbe vom Ei", wie es der frühere CSU-Vorsitzende und Bundesfinanzminister Theo Waigel ausdrückt. Bei "Franken" haben dann die Spanier ein Veto eingelegt. "Euro" also sollte es werden, aber das passte dem Luxemburger Jean-Claude Juncker nicht. Euro klinge nicht so erotisch, soll er gesagt haben, bis Theo Waigel antwortete: "Hauptsache, es klingt eurotisch." Und so wurde es beschlossen.

Waigel ist in Anekdotenlaune am Freitag in Augsburg, es gibt aber auch viel zu erzählen über die Europäische Union und die Währungsunion, Bayern und die EU und wie das alles kam. Anlass ist die Übergabe des Füllfederhalters, mit dem Waigel am 7. Februar 1992 im niederländischen Maastricht den Vertrag über die Europäische Union unterzeichnet hat und damit auch den Grundstein für die Einführung des Euro legte. "Ein Füller, mit dem im Wortsinn Geschichte geschrieben wurde", wie es Kunstminister Bernd Sibler (CSU) formuliert. Waigel überlässt das Stück nun als Leihgabe dem neuen Museum der Bayerischen Geschichte, das am 4. Juni in Regensburg eröffnet.

Er hat den Füllfederhalter bei sich zu Hause in einer Vitrine in Ehren gehalten, dabei habe ihm der Stift in Maastricht damals eigentlich die Unterschrift verdorben, wie er sagt. Es ist ein "Mont Blanc", eine edle Marke also, aber schon ein bisschen rundlich und unhandlich, und dann stand seine Unterschrift eben nicht so schön unter dem Vertrag, wie er sich das eigentlich vorgestellt hatte. "Aber sie zählt", sagt Theo Waigel. Und das war ja die Hauptsache.

Das sei sogar bis heute die Hauptsache, wie der 80-Jährige deutlich macht. Er sei ein "optimistischer Europäer", obwohl ihm so manches nicht gefällt, wie die EU teilweise in Frage gestellt wird zum Beispiel und was in Großbritannien beim Brexit passiert. Die EU und die Währungsunion seien unabdingbar, nicht mehr, um die Angst vor einem Krieg zu bannen, sondern weil Deutschland sonst "zum Spielball des Dollars und eines Trumps" würde. Er selbst sei oft und lange angefeindet worden wegen der Unterschrift mit diesem Füller. Heute habe sich das aber gelegt. "Inzwischen werde ich wieder gegrüßt, die Morddrohungen haben nachgelassen", sagt er mit einem Lächeln.

Die Unterschrift im Jahr 1992 sei "ein wichtiger Zwischenschritt" für Europa gewesen", erinnert sich Waigel. Dabei habe er am Tag der Unterschrift gar nicht richtig gehen können. Ein Meniskusschaden machte ihm zu schaffen, aber Waigel ließ sich nichts anmerken. "Die Überschriften hätte ich mir ja ausmalen können: Waigel humpelt zur neuen Währung." Am nächsten Tag flog er gleich nach München zur Operation, aber als er aus der Narkose erwachte, lachten erst einmal alle. Er selbst bemerkte es gar nicht, aber seine ersten Worte seien gewesen: "D-Mark und Maastricht". Das Thema verfolgte ihn bis ins Unterbewusstsein.

Im Museum der Bayerischen Geschichte wird der Füller gemeinsam mit dem Vertragswerk aus Maastricht und einer EU-Flagge unmittelbar neben dem Ballon aus Naila ausgestellt sein, mit dem zwei Familien 1979 die Flucht aus der DDR in den Landkreis Hof geschafft hatten. Da sehe man dann gleich, was die Freiheit der EU bedeute, sagt Museumsdirektor Richard Loibl. Bis nächste Woche lagert der Füller aber erst einmal in einem Tresor in Augsburg, was als Vorsichtsmaßnahme absolut angebracht ist: Dort ist er sicher. Der Füllfederhalter von Hans-Dietrich Genscher, der 1992 den Vertrag von Maastricht als Außenminister ebenfalls unterzeichnete, war nämlich einmal gestohlen worden. Einbrecher hatten ihn mitgenommen, zusammen mit anderen Wertsachen aus dem Hause Genscher. Also rief der FDP-Politiker seinen CSU-Kollegen an, ob er ihm nicht ein Foto von seinem Exemplar schicken könne, für die Fahndung. Es half, die Diebe hatten ein Einsehen: Den Schmuck behielten sie, den Füllfederhalter aber schickten sie zurück.