Erste deutsche Autobahn-Vinothek Die etwas andere Tankstelle

Teufelskeller, in unmittelbarer Nähe zum Standstreifen: Frankens Winzer haben Deutschlands erste Autobahn-Vinothek eröffnet. So richtig sicher, dass das Ganze ein Erfolg wird, sind sie sich aber offenbar auch nicht.

Von Olaf Przybilla

Die schlimmen Zeiten sind ja längst vorbei in Würzburg, eigentlich. In den 70er Jahren haben sie die Ausfallstraßen der unterfränkischen Hauptstadt mit hochkant gestellten Weinfassböden dekoriert, das war schon ein toller Einfall damals. "Weinfass an der Autobahn" stand darauf, und wer das mit dem in Unterfranken durchaus verbreiteten Robustcharme laut liest, der könnte darauf kommen, dass das grundsätzlich als Werbung in eigener Sache gemeint war.

Aber der Leser an sich ist nun mal leider unberechenbar, und so fanden sich tatsächlich Arglistige, die das als fränkische Selbstbeschimpfung uminterpretieren wollten. Die Sache mit dem Weinfass jedenfalls bekam Würzburg kaum mehr weg - selbst nachdem die immerhin gut gemeinten Fässerböden mutmaßlich längst im Main versenkt waren.

So ist das mit den Imagegeschichten, es kann blöd laufen. Für eine neue Kampagne trifft das aber bestimmt nicht zu, jedenfalls bislang noch nicht. Die Winzergemeinschaft Franken eG, am Main besser bekannt als GWF, hat jetzt eine Vinothek an der Autobahn eröffnet, respektive viel besser: die erste Vinothek überhaupt an einer deutschen Autobahnraststätte.

Warum da noch nie einer draufgekommen ist, weiß GWF-Geschäftsführer Michael Schweinberger natürlich nicht zu sagen. Aber in Würzburg ist es nun einmal soweit: In unmittelbarer Nähe zum Standstreifen kann man dort jetzt eine schöne Würzburger Abtsleite verkosten, sich mit dem süffigen Marsberg aus Randersacker versorgen oder gleich zum Teufelskeller greifen, da kann im Grunde nicht viel schiefgehen.

Beim Blick nach unten geht an der Stelle sowieso nichts schief: Raststätte Würzburg Nord, wer dort noch nicht nach unten geschaut hat, leidet unter Halsstarre oder kennt Franken nicht. Zur Linken gerät die Festung in den Blick, darunter grüßen in etwa mehrere Dutzend Kirchtürme, gegenüber liegt die Universität und eben die Weinberge von Randersacker. Gerade auf der Rückreise halten die Autofahrer hier in Tausenden, übrigens gerne "auch die mit gelbem Kennzeichen", sagt Schweinberger. Und seit es eine Sanitärfirma gibt, die den Gang zur Toilette mit einem Gutschein belohnt, gibt es darüber sogar eine konkrete Zahl: 600 000 Raststätten-Toilettenbesucher waren es 2011, das ist schon was.

Schweinberger ist Allgäuer, in der lokalen Terminologie also "nur Neig'schmeggder". Einen Hang aber zum nicht ganz eindeutigen Formulieren hat er sich in Franken offenbar schon angeeignet. "Die Gäste kommen ja hier eigentlich nur, um zu tanken", sagt er, und wer ihn auf diese wirklich gelungene Sentenz für eine Vinothek an einer Autobahntankstelle anspricht, erlebt einen Allgäuer in Abwehrhaltung: Aber nein, dass da kein Schindluder mit der Alkoholhaltigkeit des Sortiments getrieben wird, darauf hinzuweisen sind die Damen und Herren an den Verkostungstischen selbstverständlich angehalten.

So richtig sicher, dass das Ganze ein Erfolg wird, sind sich die Frankenwinzer aber offenbar auch nicht. Vorläufig ist die Weintheke nur Donnerstag bis Sonntag geöffnet, und auch erstmal nur für ein halbes Jahr. Man weiß ja nie, wie so eine Imagegeschichte gedeutet wird.