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Enttäuschung:AfD unter den Erwartungen

Laut vorläufigem Endergebnis landen die Rechtspopulisten bei gut acht Prozent

Vielleicht ahnte man bei der bayerischen AfD, dass es kein Abend für Jubelszenen wird, kein Anlass für eine Fete mit Bierfässern und Schlagermusik wie in den vergangenen Jahren. Der Landesverband hat keine große Wahlparty veranstaltet, nur kleinere Runden gab es, etwa in Nürnberg oder Erding. Die Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner und der Bayern-Spitzenkandidat Bernhard Zimniok reisten nach Berlin. Da dürfte die Freistaat-Sicht auf das vorläufige Endergebnis einen Schrecken verursacht haben: Nur gut acht Prozent bekommt die AfD, klar unter dem bundesweiten Trend; und es ist auch deutlich weniger als bei der Bundestagswahl (12,4) oder bei der Landtagswahl 2018 mit bereits enttäuschenden 10,2 Prozent.

Die Gründe könnten interne Debatten auslösen: War es der miserable öffentliche Auftritt durch die Turbulenzen in der Landtagsfraktion? Der Rechtsrutsch, mit immer aggressiverer Wortwahl? Das trotzige Bespielen des Flüchtlingsthemas, das die Gemüter potenzieller AfD-Wähler längst nicht mehr so stark erregt? Oder womöglich ein Schaden durch die FPÖ-Krise in Österreich? Ebner-Steiner gab sich aber am Abend zufrieden: "Immer noch folgen zu viele Bürger den falschen Versprechen der CSU, die eine andere Politik praktiziert, als sie den Bürgern aufs Brot schmiert."

Die Vize-Landeschefin hatte sich am Sonntagmittag auf Facebook an die Anhänger gewandt. Die AfD kämpfe "gegen einen milliardenschweren Bürokratiemoloch, der uns unsere Lebensweise und Produkte bis hin zu Gurkenkrümmungen, Topflappen und Schnullerketten vorschreibt" - gerade die Bayern müssten "den Brüsseler Bürokratie-Wasserkopf" mehr als viele andere mitbezahlen. Die CSU als "ehemals bürgerliche Partei" stehe für "Einheitsbrei", Spitzenkandidat Manfred Weber paktiere mit "Linksgrünradikalen", um als Kommissionspräsident gewählt zu werden. Noch am Samstag hatte sie in ihrer Heimat Deggendorf Wahlkampf gemacht. Sie sei "überrascht", dass viele Leute "gerade auf die Europathemen anspringen" und ihrer Euro-Kritiker-Partei viel zutrauten.

Trotz der Schlappe kann sich die AfD im Freistaat freuen. So werden drei bayerische Vertreter ein Mandat erringen, da sie einstellige Listenplätze haben - neben Zimniok sind das Markus Buchheit (München) und Sylvia Limmer (Bayreuth). Buchheit unterhält engste Kontakte zur FPÖ, arbeitete als deren Berater im EU-Parlament. Öfters lud man Freiheitliche als Redner in Bayern ein. Hatte der Ibiza-Skandal um Heinz-Christian Strache negativen Einfluss? Sie sehe das "zweischneidig", sagte Ebner-Steiner vor der Abreise nach Berlin. Es gebe sicherlich AfD-Wähler, die "enttäuscht sind vom Strache", das habe sie am Info-Stand bemerkt. Jedoch witterten viele eine "Wahlbeeinflussung" durch das mediale "Ausschlachten".