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Energiewende:Resolution gegen Starkstromleitung

Freischaltung der ´Thüringer Strombrücke"

Stromleitungen sind Bestandteil der Energiewende, vor der Tür will sie aber niemand haben.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Landräte bezweifeln grundsätzlich Notwendigkeit weiterer Trasse

In Franken gibt es erneut massiven Widerstand gegen den Bau einer Starkstromleitung. Dabei handelt es sich um das Projekt P 44 beziehungsweise seine Variante P 44 mod. Die 380-Kilovolt-Leitung, die laut Netzbetreiber Tennet für eine sichere Stromversorgung des Freistaats unerlässlich ist, soll einmal von dem thüringischen Altenfeld ins unterfränkische Grafenrheinfeld führen, die Variante P 44 mod würde ebenfalls in Altenfeld starten und in Ludersheim im Raum Nürnberg enden. An der Spitze des Protests stehen die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner sowie die Landräte von Lichtenfels, Bamberg, Hof, Forchheim, Kulmbach und Kronach. "Wir sind bereits erheblich von den Auswirkungen der Energiewende betroffen", sagt der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU). "Deshalb lehnen wir alle weiteren Projekte ab." Am Mittwoch unterzeichneten Zeulner, Meißner und weitere Kommunalpolitiker eine Resolution, in der sie die Notwendigkeit der neuen Starkstromleitung grundsätzlich in Zweifel ziehen.

Der Streit um P 44 dauert schon etliche Jahren an. Tennet hält die neue 108 Kilometer lange Starkstromleitung zwischen Thüringen und Grafenrheinfeld nicht nur aus Gründen der Stromversorgung des Freistaats für notwendig. "Sondern auch, um die Stabilität der Leitungsnetze garantieren zu können", wie eine Sprecherin sagt. Die Kritiker lassen das nicht gelten. Außer ihren prinzipiellen Zweifeln an der Notwendigkeit des Projekts führen sie ins Feld, dass schon etliche Starkstromleitungen durch Franken hindurch führen. Deshalb dürfe die Region nicht weiter belastet werden. Um die verhärteten Fronten aufzubrechen, forderte die Bundesnetzagentur von Tennet Alternativen zu P 44.

Diese stoßen freilich ebenfalls nicht auf Gegenliebe. Im Gegenteil: Der Proteststurm hat inzwischen die gesamte Region erfasst. Die 150 Kilometer lange P 44 mod und ihre Varianten seien nicht nur deutlich länger und damit sehr viel teurer als das ursprüngliche Projekt, heißt es in der Resolution der Kommunalpolitiker. Sondern sie böten auch keinerlei netztechnische Vorteile. Außerdem führten sie durch Schutzgebiete hindurch und stellten einen massiven Eingriff in Landschaft dar. Selbst der Netzbetreiber Tennet steht nicht wirklich zu den von ihm geprüften Alternativen. "Zwar wäre P 44 mod möglich", sagt eine Tennet-Sprecherin. "Aber im Vergleich zur Ursprungsplanung fällt sie stark ab."

Derweil ist am Donnerstag die Thüringer Strombrücke vollständig in Betrieb gegangen. Die Starkstromleitung führt von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern. Sie liefert laut Wirtschaftsministerium vor allem Windstrom aus den nordostdeutschen Bundesländern nach Bayern und war lange Zeit ebenfalls höchst umstritten. Im Bereich zwischen dem thüringischen Altenfeld und der Grenze zum Freistaat verläuft sie auf der selben Trasse wie die umstrittene P 44 und ihre Varianten. "Die Thüringer Strombrücke ist von großer Bedeutung für eine sichere, bezahlbare und umweltfreundliche Energieversorgung", sagte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) anlässlich der vollständigen Inbetriebnahme. "Sie liefert einen wichtigen Beitrag für das Gelingen der Energiewende."

© SZ vom 15.09.2017