Energieversorgung:Unterirdische Argumente

Eine Initiative will nahe Simbach lieber Erdkabel statt einer Stromtrasse. Die Chancen dafür stehen schlecht, doch ein neues Gutachten lässt die Leute hoffen

Von Maximilian Gerl, Simbach

Diesen Montag wird sie zusammenkommen, mal wieder. Seit anderthalb Jahren wehrt sich eine Initiative aus dem niederbayerischen Simbach gegen eine Stromtrasse. Ohne Erfolg. Doch seit Kurzem haben die Mitglieder neue Hoffnung. Das liegt unter anderem an einem Gutachten, das sie am Abend präsentieren wollen. Es soll zeigen, dass die bisherigen Planungen nicht ausreichen - und die Freileitung auch unter der Erde verschwinden könnte.

Der Stein des Ärgernisses heißt B 153. Die 380-Kilovolt-Leitung soll von Altheim bei Landshut nach Österreich führen. Dass sie nötig ist, wird nicht bestritten. Anders sieht es beim Wie aus. Die Planungen der Firma Tennet sehen vor, die Leitung oberirdisch um Simbach herumzuführen. Die Trassengegner sähen sie lieber unterirdisch auf direktem Weg verlegt, um die Landschaft zu schonen. Eine Erdverkabelung wiederum hat Tennet in den Planungen erörtert, aber verworfen - auch weil das rechtlich nicht zulässig sei. Auch das bayerische Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass eine Erdverkabelung im Drehstrombereich nur möglich sei, wo der Bund ein Pilotprojekt ausweise. Ein solches gebe es in Bayern nicht. "Der jeweilige Vorhabenträger hat damit keine Möglichkeit, eine Erdverkabelung zu planen."

Aus Sicht der Simbacher wurde eine Erdverkabelung trotzdem nicht ausreichend geprüft. Ein Argument sieht sie in einem Gutachten von Rolf Witzmann, Professor an der Technischen Universität München. Das Bündnis hat es in Auftrag gegeben. Das Papier greift Punkte der bisherigen Planungen auf, darunter die Kosten. Der Bau von Erdkabeln ist geschätzt um den Faktor vier bis zehn teurer. Dafür wäre im Fall Simbach die Erdleitung kürzer als die Freileitung, nämlich fünf statt 13 Kilometer. So relativiere sich der Kostenfaktor, schreibt Witzmann. Weitere Vorteile von kurzen Erdkabelstrecken: eine geringere Anfälligkeit gegenüber Störungen sowie die "geringe Wahrnehmbarkeit und damit meist höhere Akzeptanz in der Bevölkerung". Es werden auch mögliche Nachteile aufgezählt wie längere Reparaturzeiten. Witzmann empfiehlt weder das eine noch das andere, sondern: dass "ergebnisoffen" geprüft werde. Die Simbacher Initiative sieht sich bestätigt. Für sie wäre es ein Erfolg, würden die Planungen neu aufgerollt. Am Montagabend will sie auch eine entsprechende Verwaltungspetition an die Regierung von Niederbayern richten. Am vergangenen Donnerstag sprachen zudem Vertreter im Wirtschaftsministerium vor. Seit dort ein neuer Minister residiert, rechnet man sich mehr Gehör aus. Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gilt als Stromtrassenskeptiker. Teilnehmer beschreiben die Gesprächsatmosphäre als konstruktiv.

Ähnliche Bemühungen wie in Simbach gibt es auch andernorts in Bayern, etwa in Schwandorf. Trotzdem scheint die Situation festgefahren zu sein. Laut Wirtschaftsministerium seien Vorstöße beim Bund bislang erfolglos verlaufen. Man werde sich weiter für Erdverkabelungen in "sensiblen Bereichen" einsetzen. In Simbach wissen sie, dass die Erfolgschancen unverändert gering sind. "Die hoffnungsloseste Position", sagt ein Sprecher, "ist nicht die schlechteste."

© SZ vom 28.01.2019
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