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G-7-Gipfel in Elmau:Zaungast Obama

Elmau: Vorbereitungen G7-Gipfel

Alles für die Sicherheit: Maschendrahtzäune, die sonst an Berghängen vor Steinschlag schützen, werden rund um Elmau aufgebaut.

(Foto: Johannes Simon)

Sieben Kilometer Maschendraht sollen beim G-7-Gipfel im Juni in Elmau die Staats- und Regierungschefs vor ungebetenen Besuchern schützen. Schon jetzt sind Wanderer unterwegs, die mehr suchen als Ruhe in der Natur.

Dichter, weißer Staub liegt in der Luft, als der kleine Bagger den Bohrer abschaltet. Am Rand der Forststraße steckt nun eine schwarze, gut zwei Meter hohe Stange im Kies. Wie all die anderen, die sich auf dem breiten Bergrücken im Abstand von ein paar Metern aneinander reihen. Die Stangen werden noch eine Öse an der Spitze und unten am Boden erhalten, durch die jeweils ein langes Stahlseil gezogen wird. Dazwischen wird ein dicker Maschendraht eingehängt, der eigentlich Autofahrer vor Steinschlag bewahren soll. Doch der Zaun hier hat eine andere Aufgabe: Er soll Barack Obama und seine Kollegen beim G-7-Gipfel vor Attentätern und übereifrigen Kritikern schützen. Durch die Äste der Bäume ist im Tal das Tagungshotel Schloss Elmau zu erkennen.

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Während die beiden Handwerker aus Österreich mit einem Vorschlaghammer und purer Muskelkraft die Stange gerade ausrichten, tauchen vier junge Wanderer auf der Forststraße auf. Zwei Frauen und zwei Männer, sie tragen leger ihre Rucksäcke und wirken auf den ersten Blick wie Demonstranten, die schon mal das Gelände sondieren. Als sie herankommen, zeigt sich, dass sie tatsächlich wegen des Gipfels unterwegs sind. Allerdings trägt einer in der Hosentasche ein modernes Funkgerät, beim zweiten steckt hinten am Hosenbund eine Pistole im Halfter. Die vier sind auf Streife unterwegs, sie suchen das Gebiet auf verdächtige Bauten wie Erdbunker oder Menschen ab, die sich hier häuslich einrichten.

Seit mehr als einem Jahr entwirft der Planungsstab in München Konzepte

Schutzzaun, Polizeibusse auf den Forststraßen rund um Elmau, zivile Polizisten als Wanderer, das alles zeigt: Die heiße Phase der Vorbereitungen auf den G-7-Gipfel hat bei der Polizei begonnen. Seit mehr als einem Jahr entwirft der Planungsstab in München Konzepte, wälzt Pläne und sondiert die Berge und das Hochtal Elmau. Nun sind erstmals konkrete Ergebnisse zu sehen. Sieben Kilometer Zaun werden errichtet, am äußeren Rand der sogenannten Sicherheitszone zwei, die das weitere Umfeld des Gipfelhotels umfasst. Ende Mai wird sie nur noch mit einer Akkreditierung zu betreten sein. Am Schloss Elmau selbst wird sich das Bundeskriminalamt um die sieben Staats- und Regierungschefs kümmern. Davon ist noch wenig zu sehen, es dominieren die Arbeiten am Pressezentrum auf dem Hotelparkplatz. Das wird vorerst auch so bleiben: Um das Schloss herum werden viele BKA-Leute geheim und so mancher kaum sichtbare Sensor wachen. Im zweiten Ring weiter draußen dagegen mehrere Tausend Polizisten aus Bayern, die im Schichtdienst ein Gebiet von 4,5 Quadratkilometern sichern. Auch mit Hilfe des neuen Zauns.

Innenminister Joachim Herrmann hält diesen für unbedingt notwendig: "Wir brauchen geeignete Vorrichtungen, um den Einsatzbereich um den Gipfel wirkungsvoll abzusichern." Doch setze die Polizei den Zaun nur da ein, "wo es dringend nötig ist". Die Kosten von etwa zwei Millionen Euro seien vergleichsweise günstig und auch ökologisch sei der Maschendraht keine Belastung. "Unmittelbar nach dem Gipfel werden die Steinschlagnetze wieder eingerollt und können dann im alpinen Straßenbau weiterverwendet werden." Umweltschützer und Grüne kritisieren dennoch die Eingriffe in die Natur und den Zaun an sich: Als "Ausbau des Tagungsortes zum weiträumigen Hochsicherheitstrakt" bezeichnete Katharina Schulze, innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, die Drahtnetze. Dem werde wohl demnächst die "sicherheitstechnische Totalaufrüstung" folgen.

Wo es möglich ist, sind die Stahlseile von Baum zu Baum gespannt

Dabei hatte Herrmann den Bau eines Zauns stets angekündigt. Er ließ lediglich offen, wie er aussehen sollte. Nur eines hatte er versprochen: Es werde keine martialische Lösung mit Betonfundamenten geben wie beim letzten Gipfel in Deutschland 2007 in Heiligendamm. "Der Steinschlagzaun ist ideal für das alpine Gelände", sagt eine Sprecher des Planungsstabs der Polizei. Wo es möglich ist, sind die Stahlseile von Baum zu Baum gespannt. Unter dem Seil sind die Stämme mit einem Vlies umwickelt, um sie vor Schäden zu bewahren. In diesen Abschnitten ist der Zaun aus wenigen Metern Entfernung kaum auszumachen. Nur an einer Stelle, etwa 800 Meter Luftlinie vom Hotel entfernt, ist ein rot-weißes Plastikband hineingeflochten. Das schützt aber eine andere Gruppe von Gipfelnachbarn: die Auerhähne. Die balzen in dieser Gegend, weshalb bis zum Ende ihres Rufens gegen elf Uhr Vormittag die Maschinen ruhen müssen. Fliegen die etwas schlecht sehenden Hähne erschöpft nach ihren Paarungsrufen heim, hätten sie den Zaun übersehen können. Nun blinkt es aus den Drahtvierecken deutlich sichtbar rot-weiß hervor.

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Auch die Gipfelgegner treiben an diesem Wochenende ihre Vorbereitungen voran. Zur vierten Aktionskonferenz in München erwartet die Initiative Stop G 7 etwa 200 Delegierte aus Deutschland. Gerüchten zufolge soll sie ein erstes Grundstück für ein Camp von Kritikern gefunden haben. Ein Sprecher wollte dies noch nicht bestätigen: "Die Verhandlungen sind aber weit fortgeschritten", sagte er.